Schäfer, Georg
Kunstdenkmäler im Grossherzogthum Hessen: Inventarisirung und beschreibende Darstellung der Werke der Architektur, Plastik, Malerei und des Kunstgewerbes bis zum Schluss des XVIII. Jahrhunderts: Provinz Starkenburg: Ehemaliger Kreis Wimpfen — Darmstadt, 1898

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EHEMALIGER KREIS WIMPFEN

bedeckt, worauf Spuren einer Heiligenfigur mit Nimbus und Blüthenstab nebst einem
Spruchband mit verwitterten Lettern auf schwärzlichem Grunde erkennbar sind.

Fig. 147. Wimpfen im Thal. Ritter Stiftskirche St. Peter. Rückseite der Hochaltarmensa und

Grundriss der Tumba.

Auch der Eingangsbogen war bemalt und zeigt Umrisslinien eines Engelpaares als
Träger des Veronikaschleiers mit der vera icon, dem Bildniss Christi, dessen typisches

Lockenhaar und gespaltener Bart deutlich
vom Schleiertuch sich abheben. In Ansehung
des spärlichen Thatbestandes von Erzeug-
nissen der Malerei aus dem Schluss des 13.
Jahrhunderts sind diese Fragmente unge-
achtet der erlittenen Beschädigung für die
Kunstgeschichte der Epoche werthvoll, auch
in technischem Betracht durch die Benützung
der Leinwand als Untergrund. — In Ueber-
einstimmung mit zahlreichen älteren Altar-
tumben*) scheint auch diese Gruft ihrer
ganzen Beschaffenheit nach als Rcliquiar
und Bewahrungsort heiliger Erinnerungs-
zeichen gedient zu haben, eine Bestimmung,
Fig. 148. Wimpfen i. Th. Ritterstiftskirche die schon m den erwähnten Gemäldeüber-
St. Peter. Querschnitt der Hochaltartumba. resten — durch das Veronikabild als Symbol

*) S. in meinen Kunstdenkmälern des Kreises Ottenbach p. 187: Die Hochaltartumba der
Abteikirche zu Seligenstadt am Main.
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