Kladderadatsch — 64.1911

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Lasciatognisperanzanerinnen können darauf
hineinfallen.

^llnsker (Westfalen). P. L.: Der

„Münsterische Anzeiger" (Nr. 189) sagt von
der Rede, mit der der Freiherr von Twickel
den Oberpräsidenten Prinzen Ratibor in
der Generalversammlung des westfälischen
Bauernvereins begrüßte: „Redner gibt dem
Wunsche Ausdruck, daß Seine Durchlaucht

fl unter den schwieligen Händen der west-
lichen Bauern recht wohl fühlen möge."
enn nur die schwieligen Fäuste der
Bauern sich den Prinzen nicht gar zu derb
vornehmen!

Neustadt (Wesfpr.). Freund P. B.
aus Autofagasta (Chile): Die „Danziger
Neuesten Nachrichten" (Nr. 283) sagen in
einem Artikel „Der Brand von Moskau":
„Die Sonne beherrscht die hohe ruhige
Himmelskuppel. Aber tief über der Erde
rollt der Rauch seine schwarzen Vauch-
windungen, seine gewitterblauen Darm-
schlingen und das Feuer streicht in wirbelnden
Windhosen und fleischroter Lohe hervor."
Welch duftige Unterlerbpoesie!

Oldenburg (Grossherzgt.). R. M.:
Die „Braunschweigische Landeszeitung"
(Nr. 452) berichtet über den Vortrag des
Tominikanerpalers Bonaventura auf der
10. Katholikenversammlung für das Herzog-
tum Braunschweig. Nach diesem Bericht
hat der Pater folgendes ausgeführt: „An
dem Mark unseres Volkes nage ein Wurm,
der Genuß, der bereits ein sittliches Elend
gezeitigt habe, wie es schrecklicher nicht zu
denken sei. Es gelte sich mit der Brust zu
stemmen gegen die herandrängende Flut
des Verderbens. Es gelte einen heilrgen
Kreuzzug zum Schutze der Sittlichkeit, zur
Rettung der Volkswohlsahrt und Bolks-
gesundheit. Die Kunst sei vielfach zur
Kellnerin geworden, an der sich die Menschen
den Rausch des Lebens antrinken." Der
Pater Bonaventura kennt offenbar keinen
anderen Rausch, als den. den man sich an
Kellnerinnen antrinkt. Wir nehmen mit
Bestimmtheit an. daß der Pater als ein
braver Mann schon einmal einen Rausch
gehabt hat.

Saarlouls. Sch: Die „Tägliche Rund-
schau" vom 30. November sagt von dem
Radgürtel der neuen 13cm-Kanone: „Beim
Fahren aus gewöhnlichen Wegen wird der
Radgürtel auf besonderen Wagen mitgesührt.
Dies bedeutet aber keine Vermehrung der
Fahrzeuge und Verlängerung der Marsch-
kolonne. da dafür die Rettungswagen fort-
gefallen sind." Wir finden es sehr unrecht
von der Heeresverwaltung, gerade die
Rettungswagen abzuschaffen, aus denen
Artilleristen und Geschütze gerettet werden
konnten. Es scheint, als wenn bei der
Artillerie am Unrechten Orte gespart würde.
Erst vor kurzem sind auch die Bettungs-
wagen. (die das Material für die Geschütz-
bettung enthielten,) abgeschafft worden.

Schweidnitz. R. D.: Tie „Tägliche
Rundschau f. Schlesien und Posen" (Nr. 275)
meldet aus Hirschberg: „Im Gebirge tobt
heute ein mächtiger Schneesturm. Der
Schnee liegt bis tief hinab in das Vor-
gebirge und dessen Ortschaften bis (»00 m

hoch." Na. na. sollte das nicht etwas auf-

{eschnitten sein? Wir fürchten, der Schnee
iegt noch nicht einmal 6 cm hoch.

Siegen. A. W.: Die „Siegener Ztg."
(Nr. 283) sagt: „Baron Conrad von Hötzen-
dorf scheidet aber durchaus nicht in Ungnade.
2m Gegenteil, der Kaiser bestimmte ihn
zum Armeninspektor mit dem Sitze in Wien."
Du lieber Gott, was soll Herr von Conrad
auf diesem Posten mit seinen militärischen
Fähigkeiten ansangen?

Steele. W. B.: Die Sonntagsbeilage
des „Een. Anz. d. Residenzstadt Eoblenz"
(Nr. 47) enthält eine Plauderei über die
Frau, in der es heißt: „R. Nielsen philo-
sovhiert: Tie weibliche Natur ist wie das
Meer; es gibt dem leisesten und schwächsten
Drucke nach und trägt doch die schwersten
Laster." Na. na. es gibt doch auch weibliche
Naturen, die die schwersten Tugenden tragen.

Stettin. L.: Die „Deutsche Tageszeitg."
(Nr. 586) berichtet, in Amerika habe ich
eine Liga gegründet, die den Kampf aegen
die Mitgift führe. Ihre Statuten sol en
folgende Sätze enthalten: „1. Jede Frau,
die eine Ehe mit einem Manne eingeht,
stellt an sich einen Wert dar, den keine
Mitgift erreichen kann. 2. In der Stelle
der Frau existieren ungeheure Schätze; sein
Lebenlang kann ein Mann davon zehren."
Sie wollen wissen, wo diese kostbare Stelle
sich befindet. Wo, sagt die Expedition des
Blattes.

Stralsund. F.: Der „Stralsunder Anz."
(Nr. 282) sagt m einer Besprechung der
6. Sinfonie (Pastorale) von Beethoven:
„Man lauscht den Werken Beethovens ohne
Opposition und schweigt in frommer Ehr-
furcht. Worin liegt nun eigentlich der Grund
hierzu? In dem wellentürmenden Ozean
des Geschehens hat sich hier die Zeit ein
Ohr geschaffen, dem schließlich nach beharr-
lichem Ringen Klänge antworteten, die uns
immer wieder in einen unvergleichlichen
Bann ziehen. Alle seine Sinfonien, die wir
als das vollkommenste in der Munkliteratur
bewundern müsien. blieben bis dahin
ungestört und klangen vergeblich aus dem
Schoße der Schöpfung dem menschlichen Ohr
entgegen, das sie aber nicht zu vernehmen
vermochte, bis durch das Ohr Beethovens
die Membrane entstand, die sie uns ver-
mittelte." Wäre doch die Membrane dieses
Musikkritikers nie entstanden! O Beethoven,
was hast du da verschuldet!

Stromberg (Hunsrück). P.: Der
„Öffentl. Anz. s. d. Kreis Kreuznach (Nr. 258)
enthält folgende Anzeige: „Nach Pferdsfeld.
Am vergangenen Sonntag abend gingen
verschiedene junge Leute nach Pferdsfeld.
Unterwegs trafen sie mir dem .holden Ge-
schlecht' von dort zusammen. Wahrscheinlich
hatten die jungen Burschen von Pferdsseld
Wind bekommen und aus lauter Liebe zu
ihnen dachten: .Rache ist süß'. In ihrem
Dorfe angekommen. stieg nun ihre Wut bis
zum Höhepunkt. Mit kulianischen Freuden-
tänzen bewaffneten sie sich nun mit Kiris.
Ob sie sich unter gefährliche Erbfeinde oder
Nebenbuhler versetzt glaubten, ist meinem
Sinne nach ihrem unkultivierten Gehirne
zuzuschreiben. Plötzlich pfiffen ihre Waffen

nur so durch die Lust um ihrem vis-ä-vis
kraftlos vor die Füße zu fallen. Man glaubte
sich wahrhaft bei Hinterwälder versetzt. Als-
dann folgte als Deffert ein Hagel von
Steinen, der -aber nicht die kombonierren
Feinde, sondern andre friedliche Leute er-
heblich verletzten. Solchem Vorgehen hört
doch Einhalt geboten, denn sonst kann man
leicht in die Lage kommen, den Ort bei
Nacht zu passieren und angegriffen zu werden.
Einer der jetzt Abscheu bekommen hat." Was
ist schlimmer, den jungen Burschen von
Pferdsseld in die Hände oder dem Einsender
der Anzeige in die Tinte zu fallen? Wir
willen nicht, wer die schlimmeren Peiniger
sind.

Stuttgart. M. H.: Das „Neue Tagebl."
(Nr. 283) enthält die Fortsetzung eines
Romans „Du bist mein!", die mit folgenden
Worten beginnt: „Ein funkelnder Blick wehr-
losen Haffes sprang Hartmut an die Kehle,
erstarrte aber jählings und fiel zu Boden"
Dort ergriff ein herbeigerufener Schutzmann
den frechen Burschen und verhaftete ihn; in
der Polizeistelle taute der erstarrte Blick
wieder auf. — R.: Das „Neue Tageblatt"
(Nr. 283) spricht von einem Erlaß des
württembergischen Ministeriums des Innern
vom 17. November 1900, „in dem die Polizei-
behörden angewiesen werden, die kinemato-
graphischen Vorführungen einer scharfen
Überwachung zu unterziehen, und alle vom
Standpunkt der öffentlichen Ordnung und
Sittlichkeit aus anstößigen und ungeeigneten
Darstellungen zu unterstützen." Nanu? Das
nennt man Schwabenstreiche!

Thorn. M.: „Die Presse" (Nr. 264)
verurteilt das Lesen im Bette als eine
schädliche Angewohnheit und sagt: „Vielfach
sind es neben dem Hang zur Bequemlich-
keit auch noch ökonomische Rücksichten, welche
manche Leute veranlaßen, statt eine neue
Heizung des Zimmers vorzunehmen, lieber
das warme Bett aufzusuchen und sich hier
dem Genuß des Lebens hinzugeben." Was
für merkwürdige Surrogate doch viele
Menschen wühlen, um die teure Heizung zu
ersparen und dennoch warm zu werden!

Wehrawald. L.: Die „Augsburger

Abendzeitung." (Nr. 336) enthält folgende
Anzeige: „Reitpferd. Rappwallach, zirka
neunjährig, flotter Einspänner, stadt- und
autosicher, wegen Krankheit sofort ' für
650 Mark verkäuflich." Für ein krankes
Pferd ist der Preis etwas hoch.

Zwickau (Sachsen). W.: Tas..Lengen-
felder Tagbl." (Nr.265) meldet aus Dresden:
„Der König begibt sich am 14. d. Mts. früh
zur Magd nach Tallwitz und tritt von dort
am Abend die Reise zum Jagdausenthalt
nach Tarvis an." Was ist denn das für
eine Magd? Eine Hühnermagd oder eine
Schweinemagd?

Bei der groben Menge der an uns gcrfcfctctcii Zu-
lendungen »nullen wir um Geduld bitten, wenn sich die
Ausnahme der Beiträge verzögert. Die Beantivoriung
jeder Einsendung ist uns ebenso unmöglich, wie die
Ausbewahrung der uns unverlangl zugehenden Manu,
kriple. Zurückgelandt werden diese nur. wenn der
Sendung das crfort>crl:d»c Borte Ir. Briefmarken bei-
gelugt in. — Honoriert werden Briejkeltei'.b-lträge nicht.

Redairtionsichlub: 23. Dezember 1911.

Die Redaktion des kladderadatsch.

Nus äern Vuckkanäel

Wie schütze ich mich gegen Arterienverkalkung? Ursachen, Verhütung
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