Kladderadatsch — 83.1930

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Eingabe an das Justizministerium

'Die mit Recht von die Kresse jcrögfc Hlnziehung von die Verhandlpngen über die Abschaffung von die Todesstrafe laßt in
Mörderkreisen keene Sicherheit nich uffkommen: ^Kost et nu die Kohlrübe ober nlch?"

Vorsitzender des Vereins deutscher Raubmörder ,S1ernlckel"
und des Lustmörderklubs ^tzaarmann"

Aus einem Geschichtsbuch des Jahres 3000

Tie Völker früherer Jahrtausende
hatten rauhe und rohe Sitten. In den
tausend Jahren, ehe der große Verein
von Pazifisten, Bridgespielern und
Kaffeetrinkern die Kriege abgeschasft
hatte, hatten sich wilde Gebräuche her-
ausgebildet, deren Leidtragende zumeist
die in den Kriegen besiegten Völker
waren. In den frühesten Jahrhunderten
pflegte die stärkere Partei das unter-
legene Volk in Sklaverei zu führen und
alle erwachsenen Männer mußten nun
für den Sieger Frondienste tun. Aber
die Kultur nahm einen riesigen Auf-
schwung. Immer gescheiter wurden die
Menschen, bis sie sechs- bis siebengescheit
waren. Nie und nimmer wäre es bei-
spielsweise am Ende des zweiten Jahr-
tausends unserer Zeitrechnung einem
Siegvolke eingefallen, die Besiegten in
die Sklaverei zu führen. Schon die dann
cinsetzende Wohnungsnot hatte sogar

einen Mmenceau von solchen Gedanken
abgehalten. „Bleib im Land und plag
dich für uns redlich!" Dieser Grundsatz
beherrschte die Vorstellungswelt jener
Männer, die sich gern die Vertreter der
Weltkriegs-Siegmächte nennen hörten.
Aber weil sie in der Kultur eben soweit
fortgeschritten waren, ließen sie nicht
nur das eine Geschlecht der besiegten
Männer für sich fronen, sie bestimmten,
daß drei Generationen jenes Volkes, das
damals noch das deutsche hieß, ihnen mit
ihrem Schweiße dienen sollten, wenn sie
diesen Schweiß auch nicht in natura
entgegennahmen, wie die Siegherren der
barbarischen Zeiten, sondern in Form
jenes runden Spielzeuges, das damals
Geld genannt wurde. Um dieses Geld,
den Bluttribut, zu erwerben, hätte nun
der Deutsche Waren schaffen und an die
anderen Völker, die das Gold von ihm
forderten, verkaufen müssen. Da aber

verbauten diese ihre Grenzen mit mäch-
tigen Schranken, aus daß keine Ware den
Weg hinüberfände, nur kleine Zahl-
schalter brachten sie an, kleine Fensterchen
für das abzuliefernde Gold. Uird die
braven Deutschen nahmen alles, was sie
an Gemünztem und gedruckten Wert-
zetteln besaßen und häuften es auf diesen
Zahlbrettern und als ihre Bitte, „nehmt
unseren Schweiß, da wir euch Gold nicht
mehr geben können", höhnisch abgelehnt
war, da öffneten sie die Adern ihres
Lebens und ließen, der unterschriebenen
Verpflichtung getreu, ihr Blut durch die
seinen Kanäle in die fremden Länder ver-
sickern. So kam es, daß das deutsche Volk
als — vertragsbrüchig bei seinen Feinden
verschrien wurde. Drei Generationen
lang hatte es fronen und zahlen sollen.
Aber diese Generationen lebten nicht.
Gleich in der ersten hatte es sich für seine
Feinde verblutet. ri_rL


Mimls-Mm des MdmdW

Parlament und Parlamentarier im Spiegel des Humors und der Satire von

-1848 bis zur Gegenwart

Mit 300 Illustrationen. Herausgegeben und mit erläuterndem Text versehen von Dr, Wolfgang
Hofmann. Ein Werk, das in seiner Art wohl einzig dastehen dürfte. Das Album im Format des
Kladderadatsch umfaßt 236 Seiten und kostet in Ganzleinen gebunden 14 Mk.

Ein Käufer schreibt über dieses Werk:

^ . _ ...Im übrigen ist das Werk für mich ein Hochgenuß, eine Quelle stiller Freuden, wenn man

fiflfttUMtl & fffl (ft III fl ft Vlatt für Blatt seststellen kann, mit welcher Folgerichtigkeit der Kladderadatsch seit seiner Geburt

. 4/vilUUUU sx Vß4 in* u# ♦/• die innere und äußere Verdorbenheit des Parlamentarismus, wie ihn die biederen Teutschen

Berlin 5UJ 48 handhaben, blobstellt und bekämpft. . . .

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