Kockel, Valentin [Editor]; Universitätsbibliothek Augsburg [Editor]
Ansicht, Plan, Modell: zur Darstellung antiker Architektur am Beispiel von Pompeji und Herculaneum ; [dieses Heft begleitet die Ausstellung, die vom 27.11. bis zum 16.12.1996 in der Universitätsbibliothek Augsburg stattfindet] — Augsburg, 1996

Page: 3
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/kockel1996/0005
License: Creative Commons - Attribution - ShareAlike Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
3

Wie wurde und wie wird antike Architektur

DARGESTELLT, VERBREITET UND VERSTANDEN?

Die Ausstellung behandelt ein grundsätzliches Problem, das die Wiedergabe.dreidimen-
sionaler Objekte in die Zweidimensionalität von Bild und Druck, Dia oder Bildschirm
betrifft, und das nicht nur die Klassische Archäologie und ihre Lehre an der Universität
beschäftigt: Wie können - in unserem Fall antike - Monumente so reproduziert werden,
daß unabhängig von ihrem eigentlichen Standort eine gründliche Auseinandersetzung
mit dem historisch Überlieferten möglich wird?

Diese Frage stellt sich für die verschiedenen Gattungen antiker Kunst in unterschied-
licher Weise, wobei sich unser Vorhaben auf die Architektur beschränkt. Für sie lassen
sich grundsätzlich drei Darstellungsformen benennen, die auf verschiedene Verständnis-
ebenen zielen und unterschiedlich vorgebildete Betrachter voraussetzen. Als erstes ist
die Vedute - die klassische Form der Ansicht - zu nennen, die ein Gebäude aus einem
festgelegten Blickwinkel in perspektivischer Verkürzung zeigt. Häufig werden in diese
Darstellungen malerische und anekdotische Elemente eingefügt; die Vedute eignet sich
auch besonders für phantasievolle bis phantastische Rekonstruktionen.

Maßstäblich und damit wissenschaftlich genau sind dagegen Plan, Riß und Schnitt.
Als Dokumentation des Vorhandenen bedienen sie sich der Verfahren des Architekten
und verwenden dessen Darstellungstechniken, die konsequent Räumliches in die Fläche
übersetzen. Anders als die Vedute, die auch dem ungeübten Betrachter leicht zugänglich
ist, verlangt die 'Bauaufnahme' Vorkenntnisse zum Verständnis.

Die dritte Form der Darstellung ist das Modell und für ornamentale Architektur-
details der Gipsabguß. Sie bieten eine allseitige räumliche Dokumentation. Die zumeist
extreme Verkleinerung der monumentalen Architektur durch das Modell führt aber leicht
zu einer 'Verniedlichung' antiker Größe.

Abbildung 1
Der Storchenschnabel
(Pantograph) ermög-
licht jede Vergrößerung
und Verkleinerung.

Der Maßstab paßt
sich dem Buchformat
an.
loading ...