Morgenblatt für gebildete Stände / Kunstblatt — 20.1839

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Nachrichten vom Mai.

Kunstausstellungen.

Frankfurt, 12. Mai. Unsere Kunstausstellung ist heute
eröffnet worden. Ungefähr 140 Gemälde sind auf derselben. ^
darunter treffliche Sachen von Veith, Rer Hel. Achen-
bach, Rüstige, Overbeck :e. Besondere Erwähnung ver-
dicuc» die öfters besprochenen Gemälde: „des Sängers Fluch»
von PH. Folg und „Konradin von Schwaben auf dem Blut-
gerüste» von Plüdd e mann, sodann „eine Wintcrlandschaft
von Achenbach, welche dem Großfürsten Thronfolger ge-
hört. Auch fünf für unser» Kaisersaal bestimmte Bilder sind
ansgestellt, nämlich: Konrad I. von Ballend ergcr, Hein-
riet; I. von I. B. Zweckcr, Maximilian I. von E. Bren-
tano, Otto II, von A. Teichs und Karl V. von Rethel.
(Alle Kaiserbildcr sind bereits bestellt). An Bildhauerarbeiten !
sind das Bildniß des verstorbenen Ministers von Stein (Haut-
rclief von weißem Marmor) von Schwanthaler und die
Büste des Großfürsten Thronfolgers von E. v. Lannitz zu '
erwähne». Nur ein Kupferstich, die h. Genoveva von Ed.
Schaffer, nach einem Gemälde von Steinbrück, ist bis
jezt ausgestellt.

Dcrlin, is. Mai. Die Ausstellung der Werke der Düs-
seldorfer Schule im großen Saale des Hotel de Rnfsic gibt
weniger einen Begriff von den Fortschritten dieser ganzen
Abtheilung der vaterländischen Kunfljünger, alL von der be-
deutende» Höhe, welche einzelne Talente unter diesen erreicht
haben. Lessing's „Ezzclino ä» ftowano» ist offenbar das her-
vorragendste Werk dieses Salons, so wie cs auch wohl das
grandioseste aller Bilder dieses Meisters ist. Es erinnert
(abgesehen von der Verschiedenheit des Kolorits) lebhaft an
Murillo's großartige Gemälde. S o h»'s „Tasso» und „die bei-
den Lconoren» sind ebenfalls mit großer Meisterschaft behan-
delt, doch in den Farben nicht gleich wahr. Unter den klei-
nere» Bildern sind „die Undine" von St ei »brück, ein
launiges Bild von Schrödter aus Shakespeares Heinrich V.
(die Scene, wo Fluellcn und Pistol zusammenkommen), „ein
hessisches Bauernmädchen» von D ic l >» a n n, „der alle Baum»
von L. Blanc, „zwei Landschaften» von O. R. Iacobi und
„ein Kirmsbaucr» von Becker besonders hcrvorzuheben.

Hamburg, 2. Mai. Seit etwa Tagen ist unsere
Kunstausstellung in den Sälen des Schauspielhauses eröffnet.
Unter den bis jezt aufgehänglen gegen soo Gemälocn findet
sich viel Treffliches an Landschaften, Secstücken, Genrebildern
und Portrats. Leider ist aber das historische Fach wieder
sehr schwach besczt. Aus lezterem ist unstreitig L. K bhler's
i» Düsseldorf „lobsingendc Mirjam» das vorzüglichste, wel-
chem nur Prof. Clem. Zimm ermann's in München „der
von seinen Schwiegereltern scheidende Tobias» ziemlich an
die Seite gestellt werde» kan». Unter den Porträts zeichnen
sich die von französischen Künstlern ans: namentlich die von
Dubufc und Winterhalter. Sie sind Eigentlium des
Obersten Lasarow i» Et. Petersburg. Auch unsere vatcr-
städtischei, Künstler, Anniont, Boppo, Demianp, C.
Grimm. Mad. L,Grimm, Hase lim, Iacobi, Iung-
claussen, Schuckman» , Solkau, S te lzn er, W c-
stermaiitt» Dem. Wilckcnre. haben in diesem Fache Treff-
liches geleistet. Unter den Genrebildern ist „dem Scnntag-
inorgcn" von unserm Iac. Gensl er gewiß der Preis zu-
zuerkennen. Er stellt ein schönes Blankeneser Mädchen dar,
welches sich vor einem Spiegel ankleidet. Auch die häusliche
Scene in Scheveningcn von I. I. Eck hont im Haag ist

trefflich ausgeführt, aber im Gedanken etwas trivial. Zwei
größere Genrebilder von I. Gciernaert in Gent, „eine
belgische Familie im Iahrisso« und „dieselbe im Jahr i »si,
nach der Revolution," sind zwar von geübter Hand gemalt'
aber im Kontrast so übertriebe», daß man cs um so unpas-
sender findet, wenn dergleichen Bilder politischen Ursprungs
in die Fremde versandt werde». Außerdem sind noch „das
Innere eines Ateliers," in dessen Mittelgründe sich die ver-
mummte Gliederpuppe als Hauptgegcnstand befindet, von
Descamps in Paris, „der Knabe, welcher die Flöte bläst,»
von Franz H cesche von hier, „eine Floßfahrt auf der Isar»
von unserm W. Soltau, und die „Theaterloge» von Prof.
Oppenheim in Frankfurt vorzüglich ncnnenswcrth. Unter
den ziemlich zahlreichen Secstücken ist das größte eine Schiff-
bruchsccne von Eugene Isabeh in Paris, von welchem
auch cine Küstengegend in Mondschein ausgestellt ist. Beide
sind ausgezeichnet. Von unserm I. H. Sander ist ein
Secsturni, und von unserm Rud. Hardorff die Einfahrt
in den Hafen von Medemblick am Zuhdersce da, die unter
die vorzüglichsten Bilder der Ausstellung gehören. Auch viele
niederländische Künstler, als P. I. Schotel, F. I. van
der Blpk, C. L. W. Dreibholy, Jansen, I. H.
Koeckoeck, Schoumann, haben Marinen eingesandt, »nd
von dem verstorbenen I. C. Schotel bietet die Ausstellung
eine schöne stürmische See dar.

London, 20. Mai. Am dritten dieses Monats wurde
dichtste Ausstellung der königl. brittischc» Akademie auf dem
Trafalgar-Square eröffnet. Unter den etwa 4oo Gemälden,
welche, nebst einigen plastischen Arbeiten, dort zu sehen sind,
ist vorzüglich im Landschafts- und Porträtfache viel Lobens-
werthcs zu finden, obwohl sich auch in der historischen und
Genremalerei manche schöne Talente bemerkbar machen. An
Porträts sind als ansgezeichnct z» nennen die fünf, von dem
Präsidenten derAkademie, SirM.A.Shcc, eingcsandten, Sir
David Wilkic hat ein großes historisches Gemälde: „Sir
David Baird bei der Leiche Tippo Saib's nach der Erstürmung
Seringapatam's," geliefert, welches jedoch nicht denselben Beifall
findet, als sei» «Gebet vor der Mahlzeit» (Nr. 154, nach
einem ungedrucktcn Gedichte der Lady Blessingtou). Zu de»
vorzüglichsten Bildern gehöre» auch W. Ettp's „Raub der
Proserpina," Maclise's „Robin Hood und König Richard,»
Hart's „Hinrichtung der Jane Grch" und ein großes histo-
risches Bild von Charles Landsc cr, eine „Plündcrungs-
scenc« nach einer Stelle in Hnme's Geschichte Englands dar-
stellend. Edwin Landsecr hat sieben sehr gute Bilder
geliefert; eines in ausdrücklichem Auftrag der Königin Vik-
toria: „Van Armburgh in der Löwenhdhlc» stellt den be-
kannten Thierbänbiger mit seinen Bestie» auf der Bühne des
Drurylanctheaters dar; der königliche Hof, mit sprechenden
Porträtähnlichkeiten wiedergcgcben, sieht dem interessanten
Schauspiel zu. Dies Bild nimmt das Interesse des Publi-
kums vorzugsweise in Anspruch. Sehr zahlreich sind, wie
gewöhnlich, die Darstellungen von Sccnen aus englischen
Dichtern und Novellisten, besonders ans Shakespeare und
W. Scott. Dahin gehöre» ein humoristisches Bild von W i-
t Hering ton ans „Viel Lärmen um Nichts,» ein „Othello,
der der Desdemvna seine Abenteuer erzählt» von Cowper,
„Flora Mac Jver am Tage der Hinrichtung ihres Bruders»
(nach Waverlcy) von Phillips; vortrefflich ist ein Falstaff
von Leigh. Ausgezeichnete Genrebilder sind: „Kinder mit
einem Fußball spielend« (bereits für 200 Guineen verkauft)
von Webster, ein Besenbindermädchen von Gcddcs, so wie
mehrere von M nlrcadh, Allan (dem ersten der jezt leben-
den Künstler Edinburghs), I. C. HorSlep, Drummondic.
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