Kunstgewerbeblatt: Vereinsorgan der Kunstgewerbevereine Berlin, Dresden, Düsseldorf, Elberfeld, Frankfurt a. M., Hamburg, Hannover, Karlsruhe I. B., Königsberg i. Preussen, Leipzig, Magdeburg, Pforzheim und Stuttgart — NF 22.1911

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DAS MUSIKZIMMER


BRUNO PAUL, MUSIKZIMMER AUF
DER AUSSTELLUNG MÜNCHEN 1905
dürfnis gefühlt werden, gehören eine gesonderte Spül-
kammer neben der Küche, ebenso eine Art Vorplatz
derselben, an dem mit Lieferanten und Händlern ver-
handelt und zugleich die Vorräte aufgestapelt werden
können, ferner Blumenzimmer und Wintergarten,
eigentliche Bibliotheks- und Lesezimmer, in anderen
Kreisen Kinderspielzimmer neben den Kinderschlaf-
zimmern; dazu gehören auch Musikzimmer im spe-
zifischen Sinne des Wortes, außer den Gesellschafts-
und Empfangsräumen mit Musikgelegenheit. □
° Das Bedürfnis nach einem Musikzimmer ist schon
in weiteren Kreisen gefühlt, als es vorläufig befriedigt
werden kann; ich brauche nicht genauer auszuführen,
inwiefern diese Erscheinung mit der immer steigenden
Bedeutung der Musik als Geselligkeitsfaktor, als Er-
ziehungsmittel, mit der Vertiefung des Dilettantismus
und der häuslichen Musikpflege zusammenhängt. Die
Versuche, diesem Bedürfnis in der Schaffung eigener
Musikzimmer entgegenzukommen, sind auch nicht
mehr vereinzelt. Seit ungefähr zehn Jahren rechnet
der Architekt namentlich beim Entwurf von Eigen-
häusern mit einem eigenen Musikzimmer, auf Aus-
stellungen konnte man manches sehen, die Kunst-

AUSFÜHRUNG DURCH DIE VEREINIGTEN
WERKSTÄTTEN FÜR KUNST IM HANDWERK
gewerbe- und Architekturzeitschriften berichten immer
wieder von solchen. Ich möchte hier für den, der
sich näher mit der Frage befassen will, Beispiele zu-
sammenstellen, die seit igoo in Deutschland entstanden
sind, dann einige teils ausgebildete, teils erst an-
gedeutete Typen besprechen und kurz aus dem Sinn
des Musikzimmers die Gesichtspunkte für die räum-
liche Form desselben ableiten. Ich lasse vollständig
unberücksichtigt, welche Möbel in ein Musikzimmer
gehören, welcher Wandschmuck, welche Farbe und
Stimmung; denn das sind Fragen für sich, und man
darf nicht etwa glauben, das Musikzimmer sei ein —
beliebiger — Raum, in welchem ein Flügel, Noten-
schrank und Notenpulte stehen. Die Tonsur macht
nicht den Mönch; ebensowenig ein Flügel das Musik-
zimmer. □
□ Olbrich hat die Halle im Haus Christiansen zum
Musikraum verwandelt, Behrens in seinem Haus ein
eigenes Musikzimmer (S. 191) geschaffen, man konnte
sie 1901 in Darmstadt sehen. Auf der Dresdener Aus-
stellung 1906 sah man Musikräume von F. Schumacher,
O. Hempel, A. Grenander und B. Pankok, zu München
in der Ausstellung für angewandte Kunst 1905 ein
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