Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 7.1910

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DER KUNSTMARKT

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Kann, Oppenheim, Gutmann und neuerdings Campe bleiben
die großen Versteigerungen unsere einzigen Erwerbs-
möglichkeiten.

Versteigerung einer bedeutenden norddeutschen
Textilsammlung in München. In der Galerie Helbing
in München kommt im letzten Quartal des laufenden Jahres
eine überaus umfangreiche Sammlung aus norddeutschem
Privatbesitz zur Versteigerung. Schon gelegentlich des
kunsthistorischen Kongresses, der jüngst in München tagte,
waren einige der Hauptstücke dieses Kunstschatzes im
Oberlichtsaal der Galerie Helbing ausgestellt und erregten
das größte Interesse der Besucher. Von einer Namens-
nennung des verewigten Besitzers wird in den Katalogen
abgesehen, und die Kollektion lediglich als »Kunstbesitz
eines bekannten norddeutschen Sammlers« bezeichnet. Doch
wird dieser zur Versteigerung kommende Kunstbesitz allein
schon durch seine Bestände, durch einzelne seiner Pracht-
stücke die Aufmerksamkeit der Kenner und wirklichen
Interessenten fesseln. — Dank der splendiden Ausstattung
der Kataloge wird das ganze zur Auflösung bestimmte
Ensemble ja ohnedies noch einmal in seiner Totalität mono-
graphienmäßig geschildert. Die uns vorliegende erste Ab-
teilung: »Textilien« stellt sich dar als ein stattlicher Band
in Großquart: knappe, doch sachgemäß erschöpfende Be-
schreibung von 2662 Nummern (Einzelstücke und Konvolute)
illustriert durch 51 Lichtdrucktafeln mit rund igo Abbil-
dungen in dankenswert großem Maßstabe. Der angedeutete
Umfang gestattet, geradezu von einem Museum zur Ge-
schichte der textilen Künste zu sprechen; in der Tat sind
von den ägyptischen Grabfunden an bis auf die Gegenwart
die verschiedensten Zweige der Webe-, Nadel- und Klöppel-
arbeit in bemerkenswerten Beispielen vertreten und viele
der vorhandenen Arbeiten sind textile Kunstwerke von
erster Schönheit, oder Muster interessanter, seltener Tech-
niken. So bietet die Auktion denn jedem einschlägigen
Museum, auch dem größten, an Textilien reichsten, Ge-
legenheit zur Erweiterung, Ergänzung der Bestände und
ebenso findet auch jeder Spezialsammler des Interessanten
genug, gleichviel ob er liturgische oder profane Gewänder,
Merktücher oder Paramente, Brokate oder altitalienische
und altdeutsche Leinenstickereien, Erzeugnisse der Volkskunst
oder kostbare gotische Antependien sucht. Besonders auf
letztere sowie auf eine Serie von prächtigen vlämischen
Gobelins, welche die Meistermarke des bekannten Jacque
Geubels tragen, sei hier noch ausdrücklich aufmerksam
gemacht. Wir geben heute eine Probe der Abbildungen
(Autotypie nach einem Lichtdruck des Katalogs) dieser
eminent reichen Sammlung, welche am 25. Oktober und
folgende Tage in München in der Galerie Helbing zur
Versteigerung gelangen wird.
Aachener Kunstauktion. Anton Creutzer (vorn.
M. Lempertz) versteigert vom 26.-29. Oktober zwei be-
deutende Kollektionen von Gemälden, Graphik und Anti-
quitäten: die Sammlungen des Goldschmiedes R. Vasters
und des Kunstmalers F. Lange. Wir kommen noch aus-
führlicher darauf zurück.
Sammlung Hermann Emden-Hamburg. Der längst
erwartete zweite Teil kommt vom 19. bis 22. Oktober bei
Rudolph Lepke in Berlin zur Versteigerung. Er enthält
ostasiatisches Kunstgewerbe: China und Japan. Seit den
achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts, in denen beson-
ders durch Bing in Paris dem Okzident die intimen Reize
japanischer Kunst durch prächtige Publikationen näher-
gebracht wurden, hat sich im Laufe einiger Jahrzehnte eine
große Gemeinde gebildet, die nicht minder wie die Japaner
und Chinesen selbst, den Werken früherer Epochen ihre
Liebe und lebhaftestes Sammel-Interesse zuwenden, allen

voran die staatlichen und städtischen Museen, die seit
langem selbständige ostasiatische Abteilungen gebildet
haben und noch bilden. Daß auch in Deutschland, wo
das Verständnis für die Kultur und Kunst der gelben Rasse
später als in Frankreich und England erwachte, doch schon
in aller Stille namhafte Sammlungen geschaffen wurden,
beweist diejenige des Herrn Hermann Emden-Hamburg,
deren reich illustrierter Katalog durch Rudolph Lepke zur
Versendung kommt. Sie gibt ein fast lückenloses Bild
ostasiatischer Kunst in einer Auswahl, die Kennerschaft
und Geschmack verrät. Arbeiten in Jade, Kristall, Glas,
Bronzen, Porzellan, Lack und Holz, Cloisonne, Stoffe, Elfen-
bein, Schwerter und Schwertstichblätter. Vor der Ver-
steigerung findet eine Ausstellung vom 16.—18. Oktober statt.
Die Sammlung von Handzeichnungen, Olstudien
und Aquarellen hervorragender neuerer Meister aus dem
Nachlasse des Bankdirektors F. Stein-München wird
in der Galerie Helbing in München am 4. November ver-
steigert werden. Sie enthält Arbeiten von ßöcklin, Defregger,
Detaille, Diez, Grützner, Lier, Max, Menzel, Piloty, L. Richter,
Schwind, Spitzweg, Steinle, Wenglein, Wopfner usw.

Neue Kunst-Kataloge mit Preisen. Ludwig Rosen-
thal in München, Hildegardstraße 14, versendet seinen
Katalog 134 mit Ansichten, Plänen, Karten und Flugblättern
über Österreich-Ungarn, von gewohnter Reichhaltigkeit und
Übersichtlichkeit. — Das junge Antiquariat von Paul Graupe
in Berlin SIF. 68 ist bereits beim fünfzigsten Katalog an-
gelangt, der uns wertvolle Bücher, Manuskripte mit Minia-
turen, Silhouetten und alte Stammbücher vorführt. —
Math. Lempertz’ Buchh. (P. Haustein) in Bonn und Köln
bringen mit ihrem Lagerkatalog 224 eine reiche, annähernd
6000 Nummern umfassende Sammlung von Werken aus
den verschiedenen Gebieten der Kunstwissenschaft, über-
sichtlich geordnet und zu mäßigen Preisen.


Cornelius Visscher, Gellius de Bouma. (Nr. 1531 der Kupferstich-
auktion Emil Goldschmidt bei Phil. Bode in Frankfurt a. M., 19. Okt. u. .ff.)
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