Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 7.1910

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DER KUNSTMARKT

NEUIGKEITEN VOM KUNSTMARKTE
Sammlung Aus’m Weerth. Vom 9. bis 12. November
ds. Js. versteigert die Firma Math. Lempertz (P. Hanstein)
in Bonn die nachgelassene Kunstsammlung des Professors
Ernst Aus’m Weerth, Bonn. Das Wirken des in diesem Jahre
hochbetagt aus dem Leben geschiedenen Erblassers, vormals
Direktor des rheinischen Provinzialmuseums in Bonn und
langjähriger Vorsitzender des »Vereins von Altertums-
freunden im Rheinland«, hat Professor Paul Clemen in
Nr. 22 unserer »Kunstchronik« vom 16. April ds. Js. aus-
führlich gewürdigt. Der uns vorliegende Auktionskatalog
ist in vieler Beziehung beachtenswert. Wir müssen uns
hier darauf beschränken, nur einiges wenige hervorzuheben.
Die besten Sachen der Sammlung hat übrigens Paul Clemen
in seinem Werk »Kunstdenkmäler der Rheinprovinz« (Bd.V, 3)
gebührend hervorgehoben und beschrieben. Neben dem
beachtenswerten archäologischen Teile finden wir in der
Abteilung Gemälde Namen wie: AnnibaleCaracci, Alexander
Casteis, Berck-Heyde, Ter Himpel, Bartholomäus van der
Heist, Meister der Schule von Siena (Triptychon) und als
Clou der Sammlung ein gut beglaubigtes Predellabildchen
von Raffael aus dem Perugia-Altar. Es stammt, wie Paul
Clemen im oben erwähnten Werke (Seite 231) sagt, aus
der Sammlung des Herzogs von Orleans, die 1789 ver-
steigert wurde, trägt das Siegel der Orleans auf der Rück-
seite und wurde von Peter Cornelius für echt erklärt, auf
dessen Rat Aus’m Weerth das Bildchen, das damals die
Familie des Cornelius besaß, kaufte. — Auch manche an-
dere Stücke des Katalogs: Kölnische Intarsienmöbel, Glas-
pokale, rheinisches Steinzeug u. a., sind bemerkenswert.
Versteigerung moderner Meister. In der Galerie
Helbing kommt am 15. November der Nachlaß des Land-
schafters Josef Hahn, München, und mit diesem einige
Werke anderer moderner Meister aus Wiener Privatbesitz
zur Versteigerung. Unter letzteren treffen wir beste Namen
mit sehr beachtenswerten Arbeiten. So vorzügliche Land-
schaften: norddeutsches Flachland im Vorfrühling von
Ludwig Dettmann, eine prächtige märkische Landschaft von
Leistikow, sodann charakteristische oberbayerische Motive
von Meistern wie Spitzweg (ein köstliches Landschafts-
bildchen), Lier, Uhde, Trübner (Chiemseemotiv), Deuchert.
Das Porträt ist durch Lenbach, Gabriel Max und andere
vertreten. Auch drei Studienblätter Menzels kommen vor.
Unter den Marinestücken zeichnen sich die Arbeiten von
Achenbach, Bartels und Thomassin besonders aus. Das
Tierstück repräsentiert neben Voltz vortrefflich ein hoch-
begabter Zügelschüler: Victor von Eckhardt. Erwähnt seien
auch die Stilleben von Kunz und Schreyer. Die Moderne
ist vertreten durch mancherlei Werke, darunter eine Arbeit
des Meisters von »Neu-Dachau«, Adolf Hölzel, zwei
charakteristische Werke des Belgiers Henri de Groux
und manches andere. Der Nachlaß Hahns — rund
400 Nummern — zeigt uns einen fleißigen, schaffensfrohen
Landschafter der Münchener Schule. Thaeter und Stade-
mann waren seine Meister und diese Namen bezeichnen
seine kunstgeschichtliche Stellung. Modernen Problemen
fern, interpretierte er die einfache, in ihrer Großzügigkeit,
wie in ihren intimen Reizen doch unerschöpfliche Schönheit
der deutschen, namentlich der oberbayerischen Landschaft
in der klassischen Weise der großen Münchener der zweiten
Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Alle die Motive aus dem
Dachauer Moos, vom Chiemsee und den anderen Seen,
aus den Bergen und Bergstädtchen Oberbayerns sind Land-
schaften von echt deutschem Charakter und vortrefflicher
Bildwirkung, gut in der Zeichnung, glatt im Vortrag, staffiert
durch prächtigen Baumschlag und alte bodenständige Bauern-
architektur, durchflutet vom warmen Licht schöner Sommer-

stimmung. Auch als Architekturmaler hat Hahn Bemerkens-
wertes geleistet. Das zeigt z. B. seine Auffassung der so
vielfach geschilderten Reize des alten Rothenburg. — Der
illustrierte Katalog ist durch die Firma Hugo Helbing
gratis zu beziehen.
Waffenauktion. Am 24. und 25. November findet in
Hugo Helbings Galerie in München die Versteigerung der be-
deutenden Waffensammlung aus dem Besitz eines bekannten
norddeutschen Sammlers statt. Wir publizieren in der näch-
sten Nummer einige, den Lichtdrucken des Kataloges nach-
gebildete Klischees und werden auf diese bedeutende
Sammlung zurückkommen.


Italienischer Birnenhelm. 16. Jahrh. Kunstbesitz eines bekannten nord-
deutschen Sammlers. Abteilung II: Waffen. Auktion in der Galerie
Helbing, München, am 24. und 25. November 1909

Berliner graphische Auktion. Bei Max Perl in
Berlin SW., Leipziger Str. 8g, findet die schon früher er-
wähnte Versteigerung graphischer Kunstblätter am 18. bis
20. November statt. Der illustrierte Katalog ist soeben er-
schienen und wird gratis verschickt. Unter den 1078 Num-
mern finden sich prächtige Originale und signierte Vorzugs-
drucke von Boehle, Fischer, Geiger, Greiner, Halm, Her-
komer, Klinger, Leibi, Menzel, Zorn u. a., ebenso seltene
und interessante kulturgeschichtliche Stücke.
Eine hervorragende China- und Japansatntnlung
aus dem Besitze des Herrn F. Hofer, Landau-München,
(II. Teil), wird vom 9.—11. November bei Rudolf Bangel
in Frankfurt a. M., Kaiserstr. 66, zur Versteigerung ge-
langen. Dazu kommen die chinesische Wandbekleidung
aus einem Zimmer einer Villa in Singapore, im Auftrag des
Herrn Justizrat Dr. Julius Burghold: Porzellan, Töpfereien,
Arbeiten in Bronze und anderen Metallen, Lackarbeiten
(dabei Inros), Arbeiten in Jade, Bergkristall usw., Holz und
Elfenbein, Netzukes, Schwertzieraten, Japan-Farbenholz-
schnitte und anderes aus verschiedenem Besitz. Damit
ist eine nach Qualität ausgewählte Sammlung geboten.
Sie reiht sich würdig den von Bangel in den letzten Jahren
zum Verkauf gebrachten an. Des Hinweises auf einzelne
Nummern enthalten wir uns an dieser Stelle, die wohl-
gelungenen Abbildungen zeigen die Schönheiten der Stücke.
Freunde orientalischer Kunst werden dieser Versteigerung
ihre ganz besondere Beachtung zu widmen haben und aus
dem vollkommenen Kunstgewerbe Japans und Chinas aus-
erlesene Stücke finden, die einer jeden Sammlung zur
Zierde gereichen dürften.
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