Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 7.1910

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DER KUNSTMARKT

feines Bild des Karel de Moor, einen Quacksalber dar-
stellend, der einem zu aufgeklärten Publikum gegenüber-
steht und daher mit all seiner Wissenschaft nicht ernst
genommen wird. Des weiteren ein prächtiger Teniers d. Ä.,
das bunte Treiben vor dem Wirtshaus an einem schönen
Sommernachmittag schildernd, ein hübsches Bildchen mit
bemerkenswerten Details. Ein sehr interessantes Gemälde
von Teniers d. J., das oft geschilderte Atelier des Malers
oder richtiger, der »Salon« der damaligen Zeit, ein mit
Gemälden überreich ausgestatteter Saal, in dem Kenner
und Liebhaber ihr Kunstinteresse befriedigen. Eine vor-
nehm gestimmte Idylle von der Wiese zwischen dem
Dörfchen und dem Waldeingang, eine charakteristische
Arbeit des Jan Wynants, ist unter der großen Zahl schöner
und guter Landschaften hervorzuheben. Das Porträt der
niederländischen Schule ist ebenfalls gut vertreten; erwähnt
sei nur ein gutes Werk des Ferd. Boi, das lür ein Bildnis
des jungen Rembrandt
angesprochen wird,
und ein tüchtiges Da-
menbildnis des Cor-
nelius Janssens van
Ceulen. Unter den
Franzosen findet man
ein Werk der Brüder
Le Nain und mehrere
schöne Bilder der in-
tim-anmutig-galanten
Kunst des 18. Jahr-
hunderts. Namentlich
Greuze ist hierhervor-
zuheben: eine Skizze
zu dem berühmten
Gemälde im Louvre
»La Veuve et son
eure« und ein vorzüg-
liches lebenswahres
Bildnis einer Dame in
mittlerenjahren. Auch
ein reizendes Kinder-
köpfchen von Lepicie
verdient Beachtung.
Von italienischen Bil-
dern ist sehr viel vor-
handen, vor allem manches Frühe: so ein der Sieneser
Schule zugeschriebenes Bildchen: Christus erscheint der
betenden Maria, ein merkwürdiges Werk eines am Ende
des 15. Jahrhunderts im Venetianischen arbeitenden, unter
dem Einflüsse Crivellis und Bellinis stehenden Byzantiners,
und viele andere der Beachtung würdige Bilder. Eine in
ihrer Geschlossenheit gewiß seltene Erscheinung ist die
Ahnengalerie eines italienischen Geschlechtes des 17. Jahr-
hunderts: fünfzehn lebensgroße Bildnisse, gute Porträt-
leistungen der Zeit, besonders interessant in kostümge-
schichtlicher Hinsicht und außerordentlich dekorativ zur
Ausstattung eines Schlosses oder Prunksaales. Aus der
Spätzeit der italienischen Malerei ist ein Werk von Mari-
eschi zu nennen. So schön und liebevoll in der Durch-
führung wie selten im Vorwurf: ein beredtes Bild des
bunten Treibens des Hinterlandes des Venedigs Goldonis
und Guardis. Bei all dem bisher angedeuteten Reichtum
der Sammlung überwiegen aber doch die Bilder deutscher
Meister und zwar finden sich auch hier frühe Arbeiten,
vor allem zwei hochinteressante Altarflügel, neben Werken
des 18. Jahrhunderts. Doch sei von weiteren Hinweisen
abgesehen und den Interessenten der gut illustrierte Katalog
zur näheren Orientierung empfohlen.

VOM LONDONER KUNSTMARKT
Am 10. und 11. Februar versteigerte Christie die
Sammlung von 258 englischen Porzellan- und Töpferwaren,
die der verstorbene Herr M. A. Thoms, ein wohlbekannter
englischer Sammler, im Laufe der letzten fünfzig Jahre
zusammengebracht hat. Für viele der Stücke werden mehr
Guineen gezahlt, als sie Herrn Thoms Pennies gekostet
haben und im ganzen gingen 2843 £ ein. Der höchste
Preis, 180 Gs, fiel auf eine 10 Zoll hohe Bristol-Porzellan-
Gruppe, »Venus, Adonis and Cupid«; andere Bristoler
Sachen waren: eine kleine Sauciere, 48 Gs; ein Paar
12^2 Zoll hohe Figuren, Asia und Europa, 58 Gs; zwei
ovale Schüsseln, 37 Gs, und ein Porträt Benjamin Frank-
lins, 38 Gs. Unter dem alten Worcester Porzellan waren
ein 43/4 Zoll hoher Krug mit dem Porträt des Marquis of
Granby, 22 Gs; ein zylinderförmiger Krug mit dem Porträt
Georgs II. von R. Han-
cock, 61/4Zoll, 31 Gs;
ditto, 48/4 Zoll, 21 Gs;
ditto mit dem Porträt
des Generals Wolfe,
58/4Zoll, 41 Gs; zwei
andere, der eine mit
dem Porträt von John
Wilkes, 3x/4 Zoll, der
andre mit dem William
Pitts, 5s/4 Zoll, 39 Gs;
ein Paar eiförmige
Vasen mit dem Por-
trät des Königs von
Preußen, einer Kriegs-
szene und militäri-
scher Trophäe von R.
Hancock, 1757, 7 Zoll,
82 Os; ein Teeservice
mit Oartenszenen und
Liebenden nach Wat-
teau von R. Hancock,
40 Gs. Aus andern
Porzellan-Fabriken
stammten: aus Lo-
westoft: ein bemalter
Teetopf, 62 Gs; ein
zylinderförmiger Krug mit Hafenansicht, 5x/2 Zoll, 75 £
ein blumenbemalter Teetopf, 1788, 41 Gs, und ein sehr
bunt bemalter Krug, 43/4 Zoll, 21 Gs; aus Liverpool:
ein Paar Krüge mit Porträts des Königs Georg III. und
der Königin Charlotte, 6 Zoll, 40 Gs; eine Schale mit drei
Marineansichten, 78/4 Zoll im Durchmesser, 21 Gs; Krug
mit Porträt König Friedrichs III. von Preußen, 45/a Zoll,
23 Gs; aus Longton Hall: eine 63/4 Zoll hohe Figur eines
Jägers, 50 Gs.
Bei Puttick and Simpson wurden am 11. Februar für
eine unveröffentlichte Lexikon-Handschrift (Französisch-
Huronisch), die der Jesuiten-Missionar Chaumonot ca. 1663
auf 270 Quartseiten für den Huronen-Stamm bei Indian
Lorette, unfern Quebec, geschrieben hat, 190 £ gezahlt.
Bei Sotheby wurden am 10. Februar folgende Num-
mern versteigert: ein Handspiegel aus schön geschnitztem
Elfenbein mit dem Monogramm Diane de Poitiers, gez.
»S. Serlio 1559«, 38 £ (soll dem Fürsten Demidow einst
42000 Francs gekostet haben); ein Stahlkästchen, Nürn-
berger Arbeit, 16. Jahrh., 6X38/4, 33 £,; eine Schachtel
für Schachfiguren, burgundisch-gotisch, 14. Jahrh., 22 £
10 s; ein Greskrug, 25 £ 10 s, und eine bemalte Dose aus
Dresdner Porzellan, 28 £. o. G.


Daniel Chodowiecki. Lithogr. von H. F. Schöner.
(Nr. 13 der Chodowiecki-Auktion bei C. O. Boerner in Leipzig, 15.—17. März 1910)
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