Kunstmarkt: Wochenschrift für Kenner u. Sammler — 7.1910

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DER KUNSTMARKT

meiste Interesse erregte ein eigenhändiger französischer
Brief, den Maria Stuart am 13. Juni 1570 aus ihrem Ge-
fängnis in Chatsworth insgeheim an ihren Schwager, den
König von Frankreich, geschickt hat. Quaritch zahlte für
ihn 715 £. Andere interessante Nummern waren: Original
des Vertrags, der im Namen der unmündigen Maria Stuart
im Schloß von Stirling 1543 abgeschlossen wurde, 295 £;
ein Brief Marias I., Königin von England, 205 £; ein Tudor-
Dokument mit der eigenhändigen Unterschrift Eduards VI.,
370 £; ein Brief der Königin Elizabeth, 160 £; sieben Briefe
der Katharina von Medici an ihre Tochter, 145 £; ein
Fächer mit Autographen, Zeichnungen, Zitaten berühmter
Künstler, Musiker und Schriftsteller des 19. und 20. Jahr-
hunderts, 101 £.
In einer Autographen-Auktion der Firma Puttick wurden
am 6. Mai für zwanzig Briefe von Swinburne 160 £ gezahlt.
Christie versteigerte am 6. Mai die 74 Bilder des ver-
storbenen Mr. Octavius E. Coope. Es waren zum großen
Teil englische akademische Bilder der viktorianischen
Periode, deren Preise enorm gefallen sind. Andererseits
deckten ein paar glückliche Käufe alter Bilder diese Ver-
luste und im ganzen gingen 18269 £ 7 s 6 d ein. Es hat
selten eine Auktion bemerkenswertere Preisschwankungen
gezeigt. Folgendes waren die Hauptnummern: Reynolds,
»Mrs. Mary Robinson« (»Perdita«), 29X24, Holz, 5500 Gs
(L. Agnew) (1821 30 Qs, 1860 250 Gs); Jan Steen, »Die
krankeFrau«,i61/2Xi41/2, Holz, 3250 Gs (Sully) (1851 56Gs);
J. Constable, »The Vicarage«, 18X23, 700 Gs (Colnaghi)
(1870 130 Gs); Landseer, »The Highland Shepherd’s Home«,
19X24, 290 Gs (1870 1000 Gs); C. R. Leslie, »Falstaff Per-
sonating the King«, 46x64, 1851, 120 Gs (1877 1450 Gs);
Orchardson, »The Duke’s Antechamber«, 40X74, 1869,
1600 Gs; C. Stanfield, »The Day after the Wreck«, 59X91,
1844, 490Gs (1872 2800 Os, 1877 2560 Gs); W. Mulready,
»Bathers Surprised«, 2372X1772, 65 Gs (1884 300 Gs);
J. Phillip, »The Gipsy Dance«, 4O3/4X32, 1857, 100 Gs
(1879 770 Gs); D. Roberts, »Church of Saint Jacque«,
48X36y2,1850, 48 Os (1873 1000 Gs); T. Webster, »Village
Choir«, 13X2374, Holz, 41 Gs (1872 730 Gs); Copley Fiel-
ding, »Boats returning to Port«, 2474X36, 1845, Aquarell,
370 Gs (1878 740 Gs); David Cox, »Throwing Stones«,
io’^XU1/*, 200 Gs (1884 160 Gs); Lorenzo di Credi,
Madonna mit Christuskind, kreisrund, 35 Zoll, Holz, 780 Gs
(1874 310 Gs); Ph. Wouwerman, »LaCharrette Embourbee«,
j7Y2X147i, Holz, gooGs (1856 340Gs); D. Teniers, Dorf-
hochzeit, 26y2X247i, 310 Gs (1847 200 Gs); G. Bellini,
Madonna und Kind, 3772X3072, Holz, 160 Gs und Benozzo
Gozzolli, Die Beisetzung, 1371X1771, Holz, 310 Gs.
Nach den Coope-Bildern kamen 126 Bilder aus ver-
schiedenen Sammlungen an die Reihe und erlösten 23481 £.
Auch dieser zweite Teil der Auktion brachte manches
interessante Ereignis. Die Hoppner-Hausse hält an. Agnew
zahlte für sein 2972X2472 Zoll großes Porträt der »Hon.
Mrs. Augustus Phipps« volle 5100 Gs! Sehr heftig war
auch der Kampf um eine prachtvolle Landschaft mit Vieh
von Gainsborough, 49X39, aus der Thoyts-Sammlung.
Sir Hugh Lane ging aus ihm um den Preis von 4000 Gs
als Sieger hervor. Andere interessante Nummern waren:
Gainsborough, »Pomeranian Dog and Puppy«, 32X43,
900 Gs; Downman, »Mrs. Payne-Gallwey and Children«,
972X1174, ovales Pastell, 700 Gs; N. Maes, Porträt seiner
Frau, 49X3972, 530 Gs; J. B. Pater, Gartenszene, 15X12,
auf Kupfer, 300 Gs; Romney, »Mrs. Hughes«, 2872X2372,
480 Gs; Schule Mantegnas, die Beisetzung, io3/4X1372,
Tempera, 320 Gs; J. D< de Heem, Stilleben, 2772X32,
200 Gs; Raeburn, »Lord Seaforth«, 2972X24, 240 Gs; Van
Dyck, »Catharine Hastings«, 29X2472, oval, 340 Gs; D.
Teniers, Alchemist in seinem Laboratorium, 19X2472, Holz,

120 Gs; Van Dyck, »Queen Henrietta Maria«, 74X46, 350 Gs
(1892 210 Gs), ditto, Damenporträt, 74X46, 350 Gs (1892
210 Gs); Gainsborough »Mrs. Hill«, 30X25, 340 Gs; Sir
J. E. Millais, »Cuckoo«, 50X39,1880, 640Gs (1884 1900 Gs);
Orchardson, erste Skizze für »The Queen of the Swords«,
1872X3172, nöo Gs (1908 680 Gs); Van Dyck, Kardinal
Rivarole, 39X30, 900 Gs (1908 780 Gs); John Phillip,
»The Gipsy’s Toilet«, 31X4072, 380 Gs (1897 1700 Gs);
P. de Wint, »Lincoln«, 42X64, 135 Gs (1908 220 Gs); G.
Morland, »A Farmyard«, 33X4272, 360 Gs (1908 300 Gs);
Reynolds, »The Laughing Girl«, 2972X2472, 260 Gs (1908
440Gs); Rembrandt, Herrenporträt, 38X33, 1520 Gs (1890
1550 Gs); Velasquez, Königin Marianna von Österreich,
28X2172, 37° Gs (1908 550 Gs) und Van Dyck, Countess
Northumberland, 4972X3972, 15° Gs (1908 200 Gs).
In einer Bilderauktion derselben Firma am 9. Mai waren
die einzigen bemerkenswerteren Nummern folgende: Van
Goyen, waldige Flußlandschaft, 17X23, Holz, gez. und dat.
1640, 270 Gs; Tocque, Comtesse de Chambon, 34X27,
130 Gs; Jan Gossart, »Ecce Homo«, Holz, 972X7, gez.
»Johannes Malbodius 1527«, 100 Gs und J. R. Smith, Pa-
stellporträt seiner Frau, 11X9, 43 Gs.
Am folgenden Tag wurden in einer Porzellanauktion
dieser Firma folgende guten Preise erzielt: ein Paar blaue
Worcester Schüsseln, igoGs, ditto zehn Teller 251 £; zwei
dunkelblaue Worcester Vasen, 472 Zoll, 320 Os; ein Chelsea
Tee-Service, 550 Gs; ditto Vase, g72 Zoll, 210 Gs; ein
Worcester Dessert-Service, 380 Gs; eine Dresdener Gruppe,
zwei Liebende, 674Zoll, 230 Gs; Dresdener Figur, Fischer-
junge, 63/4 Zoll, 74 Gs; ein Frankenthaler Kästchen, 62 Gs
und vier chinesische Vasen 610 Gs. Für zwei orientalische
Teppiche, der eine aus Taebris, 20 Fuß 6 Zoll X 12 Fuß
10, der andere aus Mesched, 13 Fuß 10X10 Fuß 4, wurden
105 Gs und 85 Gs gezahlt.
In der letzten Christie-Auktion vor den Pfingstferien
kamen folgende Bilder unter den Hammer: H. Rigaud,
Porträt eines gepanzerten französischen Prinzen, 57X44,
135 Gs; Cuyp, Frauenporträt, 34X29, 340 Gs; Schalcken,
Interieur mit drei Figuren bei Kerzenlicht, 13X10, Holz,
78 Gs; Romney, »Lady Hamilton as Nature«, 29X24,270 Gs;
französische Schule, Porträt der Mlled’Aguin, 49X38, 28oGs;
A. Palamedes, singende und spielende Herren und Damen,
20X3°, Holz, 130 Gs und Lely, »The Music Lesson«,
35X40, 130 Gs.
Der letzte Teil der Saison des hiesigen Kunstmarktes,
der am 23. Mai begonnen hat, wird die wichtigste Bilder-
auktion dieses Jahres enthalten. Sie fällt, wie die letzten
zwei Saisons, auf Werke der Barbizon- und der modernen
holländischen Schule. Im Sommer 1907 haben die Kunst-
händlerfirmen Agnew und Wallis die 680 Bilder, die Herr
Alexander Young gesammelt hat, en bloc für 525000 £ ge-
kauft. Sie haben die Sammlung in drei Teile geteilt und
die zwei ersten privatim an Sammler in England, Paris
und Amerika verkauft. Der dritte Teil, der am 30. Juni,
am 1. und 4. Juli von Christie versteigert werden wird,
enthält einschließlich 39 moderner britischer Bilder 386
Werke, in denen 66 Barbizoner und moderne Holländer
vertreten sind, darunter 40 Corots, 43 Daubignys, 28 Har-
pignies, 14 Israels, 19 Lepines, 11 J. Maris, 6 W. Maris und
17 Mauve. Die Sammlung ist ihrer Qualität nach der be-
rühmten Day-Sammlung, für deren 289 Nummern letztes
Jahr 95000 £ gezahlt wurden, durchaus ebenbürtig und
man erwartet sensationelle Preise. o. G.
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