Kunstpreis-Verzeichnis: Auktionsergebnisse vom 1.7.1940 - 30.6.1941 — 2.1940-1941 (1943)

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Schöpfungen unserer jüngsten Vergangenheit ursächlich
auch das Verständnis für die künstlerischen Kräfte unse-
rer Gegenwart gefördert und damit auch für das Schaffen
unserer zeitgenössischen Künstler neue und gerechtere
Wertmaßstäbe geschaffen hat. So bildet sich langsam und
organisch auch wieder der gesunde Zustand heraus, daß
die moderne Kunst nicht mehr, wie es noch vor einem
Jahrzehnt in allzu krasser Weise der Fall war, unter der
entsprechenden Wertung der alten zu leiden hat. Denn
es ist heute offensichtlich, daß sogar schon die Malerei
des 19. Jahrhunderts verhältnismäßig besser bezahlt wird
als etwa die doch unserem Sammler- und Geschmacks-
empfinden nahestehenden Niederländer des 17. Jahrhun-
derts, wovon das vorliegende Preisverzeichnis manchen
aufschlußreichen Beweis zu liefern vermag. Und daß sich
diese Bewertung nicht nur auf die doch immer seltener
werdenden Spitzenwerke erstreckt, sondern daß in immer
spürbarerem Maße auch die sogenannte „Mittelware"
und manch vergessener oder beinahe unbekannter Maler
von dieser Entwicklung berührt werden, zeigt unver-
kennbar eine Gesundung der künstlerischen Geschmäcks-
kultur an.

„Kunstwerke sammeln dient nicht nur der Befriedi-
gung der Eitelkeit oder eines mehr oder weniger stark in
jeder Seele vorhandenen Triebs zum Besitz, nicht nur
der Ausspannung und Erholung von allerlei Berufsarbeit,
der Verwendung überschüssiger, im Beruf nicht bean-
spruchter Lebensenergie, — die Sammeltätigkeit gehört
zu den Grundlagen der höchsten Form der Bildung, die
wir kennen, der Bildung im Sinne Goethes. Sie ist die
notwendige Ergänzung unserer wesentlich auf Wort
und Wissen angelegten Bildung, denn sie führt zu den
Dingen und in die Dinge hinein, sie weckt und ent-
wickelt Kräfte des Geistes und des Herzens, die sonst
ruhen, sie gewährt Zugang zu dem geheimnisvollen
Wesen der Wissenschaft und der Kunst und erfüllt mit
einem erwärmenden, alles durchdringenden Glücksgefühl,
das sonst nur der Forscher und der Künstler kennt".

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