Die Kunstwelt: deutsche Zeitschrift für die bildende Kunst — 3.1913-1914

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GLASGEMÄLDE: ..SIEGFRIED FXD BRUXIIILDE". Aula der Oberrealschule in Leipzig.

DIE KÖNIGLICHE AKADEMIE
FÜR GRAPHISCHE KÜNSTE UND
BUCHGEWERBE ZU LEIPZIG.
VON DR. JULIUS ZEITLER.

In einer jetzt hinter uns zurückliegenden Zeit
hatte das Wort „Akademie" für uns keinen
erfreulichen Klang; ein voller Gegensatz zum
Leben, zur fortschrittlichen Kunst sprach sich
darin aus, es war zu einem Ausdruck geworden,
mit dem man im Reiche der Kunst jegliche
Rückständigkeit zu bezeichnen pflegte. Das
hat sich heute in bedeutsamster Weise geändert;
unsere Akademien haben, bis auf wenige Aus-
nahmen nur, wieder die engste Fühlung mit
dem Kunstleben gewonnen; in nicht wenigen
Fällen sind sie, durch die ausgezeichneten
Lehrkräfte, die sie besitzen, führend, und wenn
man sich danach umsieht, welche Umstände

PROF. MAX SELIGER-LEIPZIG

diesen Umschwung bewirkt haben, so drängt sich
einem die Meinung auf, daß der Leipziger
Akademie, die im folgenden behandelt werden
soll, kein geringer Anteil an dieser Umwandlung
zugemessen werden muß. Es hängt dies mit
der Wandlung, mit der Modernisierung des
Unterrichtsbetriebes zusammen, der am Leipziger
Institut seine energischste und fortschrittlichste
Ausgestaltung in neuzeitlichem Sinne zu er-
fahren.

Die Geschichte unserer Akademien ist noch
nicht geschrieben. Die ersten Begründungen
fielen in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts.
Die Nürnberger wurde 1662, die Wiener 1692,
die Berliner 1694 eingerichtet. In die erste
Hälfte des 18. Jahrhunderts fallen eine Reihe
ausländischer Hochschulen der bildendenKünste,
wie Stockholm, Kopenhagen, Petersburg. Die
Academie de peinture, die August der Starke

DIE KUNSTWELT III, 18.

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