Lachen links: das republikanische Witzblatt — 1.1924

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Drüben gab es einen Mord.
Irgendwer.

Einer ging dort über Bord,
Einer mehr.

Aber aus Millionen Mündern
Brach ein Schrei:

Recht! Gerechtigkeit! Ans! Ansern Kindern!
Mach uns frei!

Seht bei uns, da henkten sie und schlugen
Tausend tot.

Keine Lerzen, keine Schmerzen frugen
In Gewissens Not.

Rathenau, Gareis, wer zählt die Namen,
Immer rieselt noch des Blutes Bach.

And wer nennt, die in das Zuchthaus
kamen?

Fechenbach —

Deutsches Volk, eh' du nicht selbst die
innere Freiheit
Dir gewinnst.

Bleibt die äußere Freiheit

Ein Gechinst. GermanicuS

Publikumserfolg

Demosthenes nahm einen Kieselstein in
den Mund und sprach gegen die Meeres-
brandung an, um sich zurVolksversammlung
zu üben. Litler wollte die Sache mit
einem Granitblock am Niagara versuchen,
kam aber wieder davon ab. Nun ging er
wieder in den Wald, um das Rauschen
der Eichen zu übertönen, die durch eine stief-

mütterliche Behandlung der Natur außer-
stande gesetzt waren, dagegen zu protestieren.
Er stand auf einem Baumstumpf. Sein
Rücken war gedeckt durch eine hohe Mauer,
die ein milde geleitetes Sanatorium von
der Außenwelt schied. Er begann mit den
Worten: „Deutsche Männer und Frauen!
Ich bin der Trommler. Aus dem Volk
der Dichter und Denker muß das Volk der
Trommler und Pfeifer werden — —"

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Hier erschien auf der Mauer das vergnügte
Gesicht eines Irren, der ihn unterbrach:
„Äihihi — wer bist du denn?"

„Ich bin ein Führer des Volkes!"

„ Was - hihihi — was machst du denn da?"
„Ich übe meine große Rede ein."
„Lihihihi — warum machst du denn das?"
„Weil das Vaterland mich braucht!"
„Lihihihi — hihchi — (mit der Land
winkend): Komm' rin!"
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