Lachen links: das republikanische Witzblatt — 3.1926

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Kleine Geschichten

Erzählt von P a u

„Ja", sinniert Karl Krause, „ich glaube, man muß ein-
fteigen, ich geh an die Börse und kauf .Farben'." .

Er'geht und kauft.

„Wo kommste her?" fragt Wotan Schmidt, „was siehste so
glücklich aus?"

„Nu", sagt Karl Krause, „ich Hab' .Farben' gekauft.
Wennse morgen steigen, trifft mich vor Freude der Schlag."

„Ich gönn' dir's von Herzen", meint Wotan Schmidt
brüderlich.

Der Herr Baron will ein Pferd kaufen, noch ein Pferd,
begibt sich auf den diesbezüglichen Markt und staunt.

„Nu", sagt Schulze, „Herr Baron, hier hält' ich e Gäulche
für Sie, prima, prima."

„Bitte", sagt der Baron, „aber fromm muß es sein."

Steegemann

„Was", schreit Schulze, „fromm? Direkt orthodox ist das
Pferd. Gestern wollt' es mit aller Gewalt in die kathol'sche
Kirch' reinlaufen!"

Mayer will sich scheiden lasten.

„Nanu", sagt der Anwalt, „Sie sind doch erst ein Jahr
verheiratet. Haben Sie denn trist,ge Gründe?"

„Natürlich", echot Mayer, „sehr triftige Gründe, ich kann
e bessere Partie morgen machen!"

Gottlieb Schulze macht pleite, macht egal pleite, es ist ein
Verhängnis. „Und wovon leben Sie?" erkundigt sich in-
diskret das Finanzamt.

„Die Maste muß es bringen."

Der Jopfabfchneider (Eine moderne Variante) Zeichnung von W. Trauischold

Leise schlich sich der schändliche Verbrecher von hinten an sein ... fiel ihm das Opfer glückstrahlend um den Hals und jubelte:

ahnungsloses Opfer heran, mit einem Schnitt der scharfen Schere „Dank, tausend Dank, lieber Herr Zopfabschneider, Papa

hatte er die blonde Pracht des Zopfes abgetrennt, da .. . wollte mir durchaus kernen Bubikopf erlauben!"

Die vier Buchstaben

Der Herr Direktor eines bayerischen Mädchenlyzeums, ein
gar frommer und treuteutscher Mann, hält gerne, besonders
bei Schulfeiern, erbauliche Reden pastoraler Art.

So wählte er zur Abschiedsrede der Abiturientinnen ein
ganz besonderes Thema.

Er wolle, so begann er, analog dem Bibeltexte bei Predig-
ten, ein echtes deutsches Wort als Grundtext seiner Ausfüh-
rungen nehmen, das liebliche und doch kernhafte Wort:
Maid. Seine jungen Freundinnen, so dürfe er sie, die jetzt
in die Welt hinausträten, wohl nennen, kennten ja alle die Be-
deutung dieses Wortes. Er aber wolle dem Wort noch einen
tieferen und bedeutsameren Sinn beilegen. Der erste Buch-
stabe des Wortes sei ein „M". Das bedeute: Mütterlichkeit.
Und er schilderte, natürlich äußerst dezent, die Mütterlichkeit

als diejenige Tugend, welche die deutsche Frau vor allen
Frauen der Welt in besonderem Maße auszeichne.

Der zweite Buchstabe sei das „A", die Anmut. Und er
verbreitete sich über die Anmut des Weibes, die einer äußeren
Schönheit des Leibes vorzuziehen sei.

Und das „I" bedeute die Innigkeit, den goldenen Kern jeg-
lichen Gefühls, der dem Wert der Frau erst die Tiefe gebe.

Und das „D" sei die Demut, ohne welche jede andere Tugend
wertlos sei, weil ohne dieselbe sie nur zu Uberhebung und Eitel-
keit führten.

Und der Schlußsatz lautete also: „Indem ich Sie dringend
bitte, den tieferen Sinn des Wortes „Maid" stets zu be-
herzigen und zur Richtschnur Ihres Lebens zu machen, fordere
ich Sie zum Schlüsse auf, Ihre vier Buchstaben jederzeit und
in ieder Lebenslage Hochhalten zu wollen. Das wal te Gott." Th.

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