Lachen links: das republikanische Witzblatt — 4.1927

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Zeichnung von Willi Sleinert

Oie deutsche Flotte



...

Schwimmende Särge! Und dafür zahlt das deutsche Volk 137 Millionen jährlich!

Rückschau auf die LZallfaifcm

Da war der Saisonball deö NationalverbandeS deutscher Offiziere,
Ortsgruppe Stendal. Mit der kleinen zweistündigen Ansprache des
Majors a. D. Pottberg (gute preußische Erscheinung, etwas Kalk,
viele Orden), welche besagte:

in der Postenkette, die nun neu um Thron und Altar gebaut
werden muß, bilden wir alten Offiziere den höchsten Posten. Ja,
meine Damen und Herren, mit Stolz darf ich es sagen: wir alten
Offiziere bilden den höchsten Posten!"

„Ach, du großer Gott!" sagte Hauptmann B. erwachend, „jetzt
fängt der auch noch vom Reichspensionsetat an!"

*

Gegenstand besonderer Verehrung bildeten natürlich die Offiziere,
die S. K. H. Prinz Eitel Friedrich als letzte vor seiner Ehescheidung
zu Iohanniterrittern geschlagen hat.

Diese Offiziere sind immerhin eine große Seltenheit.

Sie bilden schließlich die einzige Armee, die S. K. H. Prinz Eitel
Friedrich überhaupt geschlagen hat.

Die Tombola war reizend. Und sehr stark im Betrieb. Z. B. wur-
den Wilhelms II. gesammelte Gedichte mindestens 20mal gewonnen.

Die Tombola war aber auch glänzend beschickt worden. Sogar
während deö Festes wurden immer wieder Spenden zur Verfügung
gestellt. Z. B. die „Gedichte Wilhelms II." wohl an die zwanzigmal

*

Herr Knicke, der Berichterstatter des KreiSblatteS, saß in einer
Ecke vor einem GläSlein Bier und saugte Eindrücke auf, um sie für
die Morgenausgabe zu verdauen. Er erschauerte, wenn ihm nur
jemand zunickte, und würde vor Glückseligkeit, dieser exklusiven An-
gelegenheit beiwohnen zu können, den Verstand verloren haben, wenn
er je einen beseffen hätte. Sein Kostüm wurde mehrfach als eins
der wenigen wirklich komischen Masken bemerkt, wovon er aber
nichts wußte, denn er trug feinen eigenen Frack.

„N'Abend, Knicke", bemerkte Oberst Z. leutselig, „na, auch hier?
Vertreten wohl die Macht der Presie? Was?"

„Jawohl, Herr Oberst (Verbeugung), jawohl (Verbeugung)! Auf
ausdrücklichen Wunsch des Scherzkomitees, Herr Oberst!" (Ver-
beugung).



Auf dem Mastenfest des Ostelbischen Adelsvereins, das man in
einem netten Lokal Berlins abbielt, gab es sogar zwei Damen,
die übereinstimmend nach ihrem Gatten, dem Herrn von Drcserow
auf Dreserow, suchten.

Der Oberkellner legte den Zwischenfall bei.

*

Donnerwetter ja, natürlich: der Ball der Landwirte in Greifs-
wald! Ganz im Stil des frühen Mittelalters. Mit Rittern, Edel-
frauen und -fräulein, Harnischen, Wämsern, ju8 primae noctis,
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