Kunsthaus Lempertz <Köln> [Editor]
Palais Schaumburg, Bonn Koblenzerstrasse 141: Konkursmasse Frau Alexander Zoubkoff, Victoria, geborene Prinzessin von Preussen ; die Versteigerung erfolgt im Auftrag des Konkursverwalters, Herrn Rechtsanwalt Dr. Rhein, Bonn ; Versteigerung: 15. bis 19. Oktober 1929 (Katalog Nr. 287) — Köln, [1929]

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VORWORT

Das Palais Schaumburg, dessen Inneneinrichtung und Kunstgegenstände im vor-
liegenden Katalog verzeichnet sind, war Jahrzehnte hindurch der gesellschaftliche Mittelpunkt
von Bonn, war der Fürstenhof des deutschen Westens. Engste verwandtschaftliche Bande ver-
knüpften ihn mit den Familien der englischen Weifen, der Hohenzollern, der Schaumburger,
der Hessen und anderer.

Das repräsentative Haus sah im Lauf seines Bestehens zahlreiche Fürstlichkeiten in seinen
Räumen als Gäste.

Jetzt werden seine Schätze infolge des bekannten Konkurses im Auftrag des Konkurs-
verwalters durch die Firma Lempertz zur Auflösung gebracht.

Paul Clemen hat im Band „Bonn" seines großen Werkes „D ie Kunstdenkmäler
der Rheinprovinz" auch die Hauptkunstwerke des Palais Schaumburg beschrieben. In
unserem Katalog wird auf diese Notizen an jeweiliger Stelle durch Fußnoten verwiesen. Er
sagt einleitend folgendes:

„Die Sammlung Seiner Durchlaucht des Prinzen Adolf von Schaumburg-Lippe und
Ihrer Königlichen Hoheit der Frau Prinzessin Victoria, geb. Prinzessin von Preußen im
Palais Schaumburg in der Koblenzerstraße enthält eine Fülle von Kunstwerken und Aus-
stattungsgeräten zumal des 17., 18. und des beginnenden 19. Jahrh., die in den Räumen
und Korridoren des von Oberhofbaurat Ihne im letzten Jahrzehnt erweiterten Palais (der
ehemaligen Villa Loeschigk) mit erlesenem Geschmack aufgestellt und zu harmonischen
Gesamtwirkungen vereinigt sind."
Wirft man einen Blick auf die überaus zahlreichen Bestände, so wird man bald inne, daß sie
sich in der überwiegenden Hauptsache zusammensetzen aus altem Erbgut der Ursprungshäuser
der beiden Ehegatten, Prinz Adolf zu Schaumburg-Lippe und Prinzessin Victoria von Preußen.
Viele Möbel und Bilder stammen aus dem Kaiser-Friedrich-Palais und tragen auf der Rückseite
noch die betreffenden Inventarzettel oder das Monogramm V. der Kronprinzessin Victoria,
späteren Kaiserin Friedrich, die selbst schon manches dieser Stücke als Heiratsgut aus ihrem
elterlichen Hause mitbekommen hatte.

Letzteres gilt in erster Linie von vielen Objekten der überaus reichen Silberkammer,
in der das Alt-Londoner Silber den breitesten Raum in Anspruch nimmt. Hier werden Stücke
wie die beiden herrlichen Barockterrinen (Nr. 1 u. 2) auch in England Aufsehen erregen, zu
schweigen von der großen Reihe all der anderen Arbeiten, die sich bis in die Spätzeit der Königin
Victoria fortsetzt. Außerdem werden manche Arbeiten aus Augsburger, Hamburger und anderen
deutschen Werkstätten beim Liebhaber die gebührende Beachtung finden. Freunde exotischer
Silberkunst werden das überaus reich ziselierte, zusammen über 44 Pfund schwere japanische
Silberservice schätzen, das Kaiser Wilhelm I. seinem Sohn und seiner Schwiegertochter zur
silbernen Hochzeit schenkte.

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