Rudolph Lepke's Kunst-Auctions-Haus <Berlin> [Editor]
Kunstwerke aus den Beständen Leningrader Museen und Schlösser (Band 1): Eremitage, Palais Michailoff, Gatschina u.a. ; [Versteigerung: 6. Nov. u. 7. Nov. 1928] (Katalog Nr. 2000) — 1928

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Exemplare verblieben. Die Zahl der Möbel, die David Roentgen in den
Jahren von 1783 bis 1787 für die Kaiserin Katharina II. und andere
russische Abnehmer geliefert hat, ist eben so enorm gewesen, daß noch jetzt
an gleichen oder ähnlichen Stücken kein Mangel ist. Die unvergleichliche
Marketerie des Meisters kommt in den eingelegten Blumen- und Vogel-
stücken des Sekretärs auf Tafel 1 und 22 ausgiebig zum Wort. Das wohl
schon gegen 1780 entstandene Möbel ist auch durch sehr reiche und zier-
liche Bronzefassung ausgezeichnet, die an gleichzeitige Möbel des Pariser
Ebenisten Weisweiler erinnern. Die sechs anderen, um 1785 anzusetzenden
Roentgenmöbel, außer den beiden Uhren vier Sekretäre (Tafel 2, 24—26),
gehören bereits dem entschiedenen Klassizismus an, der bei Roentgen sehr
früh eingesetzt hat. Für die Bronzebeschläge dieser Möbel hat Roentgen
zum Teil Pariser Modelle verwendet, die auch auf Möbeln von Riesener
vorkommen.

An der großen, für eine Berliner Auktion ganz ungewöhnlichen Zahl der
von namhaften Pariser Ebenisten der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts
bezeichneten Möbel erkennt man wieder die Bedeutung des damaligen Ruß-
land als Abnehmer und Sammelbecken der Luxuserzeugnisse des franzö-
sischen Kunstgewerbes. Zu den Großmeistern unter den Pariser Möbel-
künstlern zählt Ferdinand Schwerdfeger, dessen Hauptwerk, der
Schmuckschrank der Königin Marie Antoinette von 1787 in Versailles, in
keiner Möbelgeschichte fehlt. Seine volle Signatur mit dem Datum 1788, in
schwarzen Buchstaben auf eine Schublade gedruckt, trägt die Servante aus
Schloß Pawlowsk (Tafel 5; abgeb. bei D. Roche II, T. 85). Für die Aus-
führung der überaus fein modellierten und ziselierten Bronzefassungen
kann Gouthiere in Betracht kommen, der mit Schwerdfeger in Verbindung
stand, oder auch Thomire, der an den sehr verwandten Bronzen des
Schmuckschranks in Versailles mitgearbeitet hat. Einen Tisch aus der-
selben Garnitur wie die Servante, ebenso bezeichnet und datiert, besitzt
das Louvremuseum (abgeb. Feulner, Kunstgeschichte des Möbels, S. 4-82).
An Louis XV-Möbeln sind neben mehreren sehr elegant und gut gearbeiteten
Tischchen die beiden von Corel gestempelten Eckschränke anzuführen,
mit reicher Marketerie, denen sich ein Paar Eckschränke mit dem Stempel
des im Jahr 1764 Meister gewordenen Pariser Ebenisten Louis Peri-
diez anschließen (Tafeln 27 und 28). Bei den letzteren sind in jedem Feld

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