Meggendorfer-Blätter — 115.1918 (Nr. 1449-1461)

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Meggendorfer-Blktter, München

Nr. l45Ä

»0

Im Hauptquartier der Intrige

Die böse Sonne

Ganz unabhängig von einander sind der Pariser Observakoriumsdirektor und
Sonnenforscher Moret und der PeterSburger Professor Swjatski zu einer eigenartigen
Erklärung der wirklichen Arsache dieses Krieges geiangt. Beide haben die alte Frage
nach Zusammenhängen zwischen den Sonnenflecken und den Lebenserscheinungen auf der
Erde von neuem aufgegriffen, haben gefunden, daß ein Maximum der Sonnentäkigkeit
sehr häufig mit politischen Stürmen und internationalen Verwickelungen auf der Erde
zusammengetroffen ist, und ziehen nun den Schluß, daß auch der Weltkrieg lediglich auf
die gesteigerte Aktivität der Sonne zurückzuführen ist. —

Das wird gewiß mancher mit großer Besriedigung vernehmen. Die böse Schuld-
frage ist ja nun in der angenehmsten Weise gelöst, und niemand braucht sich mehr den
Kopf darüber zu zerbrechen, wer denn eigentlich wezen der Arheberschaft am großen
Greuel gebührend bestraft werden soll. Der Volksmund, der oft gesprochen hat: „Die
richtigen Schuldigen erwischts ja doch nicht!" hat wieder einmal recht behalten. Denn
die Sonne können wir nicht zur Verantwortung ziehn; sie ist für jeden Staatsgerichts-
hof unerreichbar und lacht ihn aus.

Aber wenigstens weiß die Menschheit jetzt, wie sie sich gegen die Wiederkehr
solcher sehr unangenehmen Ereigniffe zu schützen hat. Man muß fich eben mehr vor
der Sonne in acht nehmen und ihren bösen Einflüssen vorbeugen. Jn den kritischen
Iahren werden die Lenker der Völkergeschicke angehalten werden müssen, sich selber —
wie fie es früher mit den Völkern machten — gehörig im Dunkeln zu halten, und wenn
fie schon einmal ans Sonnenlicht kommen, miiffen sie ordentlich dicke Sonnenschirme
-ebrimchei». B»v SorureukLnigeu darf natürlich überhaupt nicht mehr die Rede sein.

Auf Staaten, in denen die
Sonne nicht untergeht, muß
besonders geachtet werden, und
als sehr gefährlich wird eS
gelten müffen, einen Platz an
der Sonne haben -u wollen.

Pir»

Ounkle Ztunäe

vie §okge kam unä brachte Nrsmen
Unä will, wenn jich äer tag gelenkl
ven §chlummer msnchem Mlläen
nehmen,

ver leine; tsnäe; ruhlor äenkt.

voch lteht kein 7einä aut veutlch-
lanäs Srunäe,

voch troht ein unerlchüttrrt sieer.
lva; lcheint mit einr äenn nun äie
§tunäe

§o äunke! gar, lo holtnungrleer?

2u viel wsrä unr aur manchem
Munäe

ver vichtr verheihen alr gewih,
vrum bringt äer Umlchwungr
lchwere §1unäe

knXZulchten äoppelt rinlternir.

2u jäh gelchsh er, äah mit vröhnen
vie §turmerglocke unr erklang,
vs eben erst in hotfnungrtönen
Oem Uolk msn lviegenlieäer lang.

lUer gar ru lchne» sur vollem
^limmer

lnr jähe vunkel wirä gestellt,
§ieht äann auch nicht äer §terner
§chimmer,

ver äieles vunkel äoch erhellt.

llnä er ist äa, äer §tern, äer hotten
lln; Isstt aut einen bellern Lsg.

§o lchwer stnä wir äoch nicht
getrotten.

vast keine hottnung bleiben mag.

Nein, wahrlich nicht! voch äroht
Ueräerden

ve; Uaterlanäe; koäen nicht.
llnrshl'ge ?einäe müstten sterben,
kh' ihre lUul in; tanä unr bricht.

§inä unste siänäe äenn gebunäen.
Ist äenn gedrochen unler §chwerl?
0 nein, wir lchlagen tiete lUunäen
vem noch, äer allru viel begehr«.

voch st'nä vvir stark. äran lastt unr
äenken,

Od auch äie §>unäe äunkel ist.
vur äer wirä nicht lein §chicklal
lenken,

ver lei'ner ilratt in kurcht vergistt.

6eckLuc»Lr

^ lS OiLf.-Oii.tr !SL8.
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