Moderne Bauformen: Monatshefte für Architektur und Raumkunst — 26.1927

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Wilhelm Keller, Rudolf Prömmel, Berlin
Haus an der Heerstraße. — Straßenseite

VOM BAUEN IN BERLIN
VON DR. ERNST VOLT ER, BERLIN

Es wird wieder gebaut, nicht wenig gebaut, in Berlin!
Das fällt jedem Besucher der Stadt auf, mag er nun
das Stadtinnere oder die Vororte durchstreifen. Und wer
sein Urteil auf den Augenschein gründet, der mag auf
einer Rundfahrt durch die Reichshauptstadt einen recht
günstigen Eindruck von ihrer Bautätigkeit bekommen;
einen viel zu günstigen, müssen wir mit Bedauern hinzu-
fügen. Denn, zieht man Erkundigungen ein und fragt man
nach Zahlen, so sprechen die Tatsachen eine andere Sprache.
Das Angebot an Neubauwohnungen kann den Bedarf
noch lange nicht decken, wobei zu bemerken wäre, daß
die Höhe der Mieten und die anderen Kosten der Woh-
nungsbeschaffung in vielen Fällen Grund der Wohnungs-
not sind. Auf der anderen Seite vermag der Baumarkt

noch keineswegs alle Arbeitslosen des Gewerbes — hierzu
gehören Architekten so gut wie Handwerker — zu be-
schäftigen. — Immerhin zeigt die Statistik von 1926 eine
bedeutende Zunahme der angemeldeten Bauvorhaben im
Vergleich zum Vorjahr, und das Jahr 1927 scheint eine
weitere Besserung zu bringen; insbesondere, wenn, wie
zu hoffen steht, einige große Bauprojekte, wie die Be-
bauung des sog. Scheunenviertels und die Errichtung eines
ganz neuen Stadtviertels mit 14000 Wohnungen auf dem
Schöneberger Südgelände wirklich zur Durchführung
gelangen.
Es handelt sich hierbei natürlich ausschließlich um
Unternehmungen, durch die der Wohnungsnot, dem
dringenden Bedarf, abgeholfen werden soll. Dieses Be-

MOD. BAUFORMEN 1927. VI, 1.
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