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Galerie Ferdinand Möller [Contr.]; Mataré, Ewald [Ill.]
Sonderausstellung Ewald Mataré, Plastik, Holzstruktur, Aquarelle, Zeichnungen: 1920-1929 : 3. November-4. Dezember 1929 — Berlin: Galerie Ferdinand Möller, 1929

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https://doi.org/10.11588/diglit.62896#0002
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EWA LD MATARE
1887 zu Aachen geboren, kommt von der Malerei. Seine ersten
plastischen Arbeiten datieren von 1920. Holzschnitte brachten
ihn auf den Gedanken, die Druckplatte einmal nicht nur
negativ: als Mittel, sondern positiv: als selbständiges Bild’
werk zu gestalten. So entstanden Reliefs, mehr in die Fläche
verspannt als vertieft oder erhöht, jeden malerischen Schatten-
wurf vermeidend, mehr zum Abtasten als nur zum Ansehen
schön. Seine Neigung, die Formen aus der Bildfläche herauszu-
schneiden oder in diese Fläche scharf hineinzukerben, war schon
für den Maler Matare bezeichnend. Was in den Gemälden aber
als eine im Grunde malfremde Sprödigkeit wirkte, wurde beim
Relief zur eminent plastischen und materialgerechten Qualität,
Gewisse dramatisch-heftige Zuspitzungen, Zerrungen und
Bewegtheiten der Form, die den Maler mit dem Expressio-
nismus verbanden, kamen zunächst auch in den Reliefs zum
Vorschein. Doch sehr bald reifte Matare zu einer tiefen Kon-
zentration und Beruhigung seiner Bildwerke heran, zu einer
Rundplastik von sanfter Festigkeit, von gleitender Schmieg-
samkeit und gespannter Fülle der Wölbung. Wie die Reliefs,
sind auch die Arbeiten aufs strengste aus den besonderen
Eigenschaften ihres Materials entwickelt. Im Gegensatz zur
Tonplastik, die aus fortgesetzten Hinzufügungen des Materials
zusammengeknetet wird, gelangt Matare zum Ziel, indem er
seine Gestalten, Köpfe und Tiere durch Abstoßung alles über-
flüssigen Materials aus dem Holzblock allmählich herausschält;
behutsam und zart, als kostbare verborgene Lebensfrüchte
gleichsam, weich und sicher eingehüllt in die lückenlos ge-
schlossene Modellierung: Verkörperungen eines zeit- und
regungslosen, kaum bewußten Daseins. Sie scheinen von dem
natürlichen Wachstum ihres Materials durchströmt und ge-
tragen zu sein, lassen die gefühlswarme Organik dieses Wachs-
tums bis in feinste Maserungen ungebrochen ausschwingen.
Matares Plastik ist lyrisch und naturverbunden, von tiefster
harmonischer Vertrautheit mit dem Kreatürlichen und eben
deshalb so einfach und klar. Sie ist Stimmung und Form zu-
gleich, Form unantastbarer Präzision und strengster Gliede-
rung. Ähnlich wie die Aquarelle, besonders aber die Holz-
schnitte des Künstlers, die sein plastisches Schaffen begleiten
und Landschaftliches oder Figürliches aus dem Baugesetz der
Fläche erstehen lassen. Ernst Källai
 
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