Pan <Berlin> — 4.1898-99 (Heft III und IV)

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BILDERRAHMEN

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IN ALTER UND NEUER ZEIT



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KLEIDER machen Leute, Rahmen schmücken Bilder. Jedermann schmückt sich,
um möglichst vorteilhaft auszusehen: so sucht auch der Maler seine Bilder gut
einzukleiden, um ihnen ein möglichst gutes Ansehen zu geben. So wenigstens sollte
man denken, und so dachten die Künstler in der That zu allen Zeiten; erst unserem
Jahrhundert blieb es vorbehalten, wie man die eigene Erscheinung, nicht selten sogar
absichtlich, vernachlässigte, so auch auf die Einrahmung der Bilder keinen "Wert mehr
zu legen, diese vielmehr als eine gleichgültige oder gar verächtliche Sache den Hand-
werkern zu überlassen. In der Einrahmung der Bilder, worin hohe Kunst und Hand-
werk sich in die Hand arbeiten müssen, wird es ganz besonders klar, wie dem
XIX. Jahrhundert nicht nur feinerer Geschmack, sondern wirkliches Stilgefühl fehlte.
Aus dem durch das Empire anscheinend völlig abgethanen Rokoko hatte sich,
trotz aller Verachtung gegen diese Kunst, doch eine gewisse Tradition in das Hand-
werk herüber gerettet; freilich nicht in der Technik, mit der die Zeit der französischen
Revolution so gründlich aufgeräumt hat, dafs der Faden zum Teil heute noch nicht
wiedergefunden ist. Aus gedankenloser Nachahmung von Ueberresten eines aus-
gearteten Rokoko entstand ein Rahmenwerk von charakterlos geschweiftem Profil,
in schlechtem Stuck auf schwachem Holzkern ausgeführt, mit einförmiger falscher
Vergoldung, oder wohl gar mit schwarzem Anstrich; gelegentlich auch in Mahagoni
oder diesem nachgeahmten Hölzern ausgeführt und poliert, mit dürftigem Bretzel-
werk als Eckverzierungen, das man durch Gazebezug vor dem Fliegenschmutz zu
schützen liebte. Gelegentlich erinnert uns heute noch der Spiegelschmuck in den
Barbierstuben kleiner deutscher Städte an jene Rahmen, in die man Oelbilder wie
Spiegel in gleicher "Weise einkleidete. Mit Recht suchte die hohe Kunst gegen diese
traurigen Reminiscenzen aus alter Zeit zu Felde zu ziehen. Zunächst vom Standpunkte
der klassizierenden Richtung aus. Bei uns in Deutschland gab dazu die Eröffnung
der Berliner Galerie im Schinckelschen Neubau 1850 die Hauptanregung. Die alten



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HOLLÄNDISCHER RAHMEN UM 1660 (VGL. SEITE 252 U. FF.)

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