Pauli, Gustav ; Hamburger Kunsthalle
Führer durch die Galerie der Kunsthalle zu Hamburg (2): Die älteren Meister — Hamburg: Verlag der "Freunde der Kunsthalle" e.V. zu Hamburg, 1928

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IX.

DIE MALEREI DES
ACHTZEHNTEN JAHRHUNDERTS

Die Geschichte der Kunst hat man mit Recht mit einer
Fuge verglichen, in der nacheinander verschiedene
Stimmen die Führung übernehmen. Nachdem im sieb*
zehnten Jahrhundert die Niederländer tonangebend
gewesen waren, werden es nunmehr die Franzosen. Die
Franzosen, die Südnördlichen, im Geblüte allen Völkern
ihrer Nachbarschaft verwandt, die Erben römischer
Kultur, doch vom Norden und Osten her befruchtet,
in deren Volkstum indessen die verschiedenen Bestand*
teile zu einheitlicher Legierung zusammengeschmolzen
sind. Antiker Überlieferung entstammt bei ihnen der
Sinn für Ordnung und Maß, der freilich einen durch
Anmut gemilderten Ausdruck sucht, so daß man sie mit
den Griechen des Altertums vergleichen konnte. —Neben
ihnen erlebt Italien eine letzte Nachblüte größerer Ver*
gangenheitin der venezianischen Schule. England tritt auf
den Plan mit einer Gruppe weltgewandter Akademiker.
Nur Deutschland bleibt mit seiner Malerei im Rückstand,
erstaunlicherweise insofern, als es eben damals eine Blüte
seiner Baukunst erlebte.
Gemeinsame Charakterzüge der europäischen Kunst des
Rokoko sind Gefälligkeit und eine festlich gestimmte
Theatralik, Merkmale einer in besonderem Sinne gesell*
schaftlichen Kultur. Europa schien sich damals in einen
Salon verwandeln zu wollen, in dem französisch ge*
sprechen wurde. Keine Kunst hat mit solcher Scheu das

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