Schramm, Albert ; Möller, Maria [Editor]
Der Bilderschmuck der Frühdrucke (Band 6): Die Drucke von Konrad Dinckmut in Ulm — Leipzig, 1923

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I lms zweiter Drucker, Conrad Dtnckmttt',ift für den Bilderschmuck der Frühdrucke nicht von der Bedeu-
tung wie Ulms erfter Drucker Johann Aainer. Awar ift die Aahl seiner illuftrierten Drucke verhältnis-
mäßig groß und einzelne Werke wie: Seelenwurzgarten, Erklürung der zwölfArtikel des chriftlichen Glaubens,
Lirar's Schwäbische Chronik weisen auch bemerkenswerte Holzschnitte auf, aber an Iohann Zainers Werk-
ftätte und vor allem andessenZeichnerundHolzschneiderreichen dieDinckmut'schenArbciten nicht heran. Etwa
zwanzig Iahre können wir Dinckmuts Tätigkeit in Ulm verfolgen, die freilich nicht ganz ungetrübt verlief;
finanzielle Schwierigkeiten haben mehr als einmal seine Arbeiten gehemmt; sie haben ihn wohl auch veranlaßt,
Ulm im Iahre 1499 zu verlassen. Wie bei so vielen Incunabel-Druckern sind wir auch bei Conrad Dinckmut
über Einzelheiten seines Lebens nicht unterrichtet und können seine Tätigkeit im Großen Ganzen nur an Hand
der von ihm erhaltenen Drucke verfolgen.

Dinckmut tritt uns zunächft als Drucker von Blockbüchern entgegen. Sein undatierter Donatdruck:
Octo psrcium oracioni8 clonatu8 (Abb. 2) weift eine Bildinitiale (Abb. l) auf, in der ein Lehrer mit Schülern
dargeftellt ift. ^ ^

Die eigentliche Drucktätigkeit Dinckmuts beginnt erft Ende des Iahres 1477. Kleinere Arbeiten, meift Ein-
blattdrucke, sind es freilich nur, die zunächft aus seiner Offizin hervorgehen. Für das Iahr 1478 liegt uns ein
deutscherAlmanach, der dreiFinfternisscheiben(Abb.3) aufweift, vor; ihmfolgen zwei lateinischeAlmanache
für das Iahr 1478 und 1479, beide von Iohann Stoffler. Der lateinische Almanach von1478 zeigt das Finfter-
nisbild Abb. 5, während wir auf dem Almanach für1479 die drei Finfternisscheiben unserer Abbildung4 finden.

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Das Iahr 1482 erft bringt weitere Drucke Conrad Dinckmuts mit Holzschnitten. Der erfte in Frage kom-
mende Druck ift uns leider nur als Fragment in einem einzigen Eremplar erhalten; dieses Fragment beginnt
mit den Worten „Schwester Demut" und weift folgende zum Teil beschädigte Holzschnitte auf:

„Schwcfter Demut" (Abb. 6), „Schwefter Madalen" (Abb. 7), „Schwefter Bungeln" (Abb. 8), „Schwester Küngund" (Abb. 9), „Schwester Mecz-
lein" (Abb. 10), „Schwcfter Leyse" (Abb. 11), „Schwcster Hylle" (Abb. 12), „Brüder Jordan" (Abb. I Z), „Brüder Eckenbrecht" (Abb. 14), „Brüder
drunagcll" (Abb. 15), „Brüder Eychenstil"^Brüder Jordan (Abb. I Z), „Brüder Lodemane" (Abb. 16), „Brüder Gcrhart" (Abb. 17), „Brüder Ecke"
(Abb. 18), „Brüder Rudolff" (Abb. 19), „Brüde Treyris" (Abb. 2O), „Brüder Ebendine" (Abb. 21), Brüder Lemc" (Abb. 22).

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-x-

Der zweite Dinckmut'sche Druck des Iahres 1482: „Das nützlich büch von ordnung der gesnndhuit", der
„am sampßtag nach sant Franciscus tag"-5. Oktober (Abb.25), fertig wurde, ift auf Blatt 2v mit einem
ganzseitigen Einleitungsholzschnitt geschmückt, auf dem ein Aussatzschaumann mit zwei Doktoren abgebildet
ift(Abb. 24)2:

DemIahrel482gehört schließlichwohlderEinblattdruck„Griestsiestn heiligesAntlitvnsers behalters"
an, der in zwei verschiedenen Ausgaben (vergleiche: Einblattdrucke des 15. Iahrhunderts, Herausgegeben von
der Kommission für denGesamtkatalog der Wiegendrucke Nr.94Z u.656s) uns vorliegt und dasAntlitzChrifti
mit Dornen gekrönt (Abb. 2Z) zeigt.

Das Iahr 148Z bringt „an dem freytag nach sant Mathis des hayligen zwelffbotcn tag" (^28. Februar)
(Abb. 27) zunüchft einen illuftrierten Druck: ein k^lermrium. Die Blätter sind gezählt, dic Holzschnitte in den
Text eingebaut.

^ Vergleiche über ihn: E. Voullieme, Die deutschen Drucker des 15. Jahrhunderts. 2. Auflage (1922), Seite 167.

2 Hain zählt noch eine zweite Auflage dcö Buchcs vom 19. Oktobcr („samstag nach Sant Gallen tag") deö Jahrcs 1432 auf, von dcr nnr aber kcin Ercmplar
zugänglich war.
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