Schramm, Albert; Möller, Maria [Editor]
Der Bilderschmuck der Frühdrucke (Band 13): Die Drucker in Leipzig und Erfurt — Leipzig, 1930

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6. Gregor Boettiger

Gregor Boettigers Druckertätigkeit war nur eine kurze. Schon vor Ende der Inkunabelzeit erlischt seine
1492 gegründete Presse.

Ein beachtenswerter lateinischer Almanach aufs Jahr 1495 wird ihr zugeschrieben, der in mehr als
einer Beziehung interessant ist (Abb. 174). Das Wappen in der Mitte unten ist das von Breslau=Wratislawia;
„mercuri' Domin'" sagt die Inschrift des Spruchbandes.

Aus dem Jahr 1495 stammt ferner der Druck „Historie von 4 Kaufleuten" mit 20 Holzschnitten,
die aber nichts Eigenes bringen, sondern Kopien eines Nürnberger Drucks im Gegensinn darstellen (Abb. 175— 194).

Der dritte Druck des Jahres 1495, den wir hier zu nennen haben, weist reichen Bilderschmuck auf: 69 Me-
tallschnitte und 30 Holzschnitte, von denen sich einige wiederholen. Wenn die Abbildungen 195—261 nicht
immer ganz befriedigend sind, so liegt das an den Vorlagen, die zum Teil stark koloriert sind, was um so mehr zu
bedauern ist, als diese „Messe-Auslegung" in vieler Beziehung von Wichtigkeit ist. Was herauszuholen war,
ist herausgeholt worden.

Der deutsche Almanach der Boettigerschen Offizin vom Jahre 1496 ist mit dem Holzschnitt Abb. 262 ge-
schmückt; die „Practica, deutsch" trägt unter dem Titel den Holzschnitt Abb. 263.

Boettigers Druck „S. Anna, Gebet bei Pestilenz" zeigt Anna und die Jungfrau mit dem Kind (Abb. 264).

Der Kreis des „Computus nurembergensis" ist bis auf die Buchstaben in der Mitte dem Drucke von
Thanner gleich (Abb. 299).

„Friedrichs III. Leichenbegängnis" veranschaulicht den Text durch einen vor dem Altar aufge-
stellten, von zwei Männern mit Fackeln flankierten Sarg (Abb. 266).
„Valentinus, Practica" schmückt der Holzschnitt Abb. 265.

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7. Melchior Lotter

Der Bilderschmuck der Melchior Lotterschen Drucke, soweit sie in die Frühdruckzeit gehören, beschränkt
sich im großen ganzen auf A c c i p i e s - Holzschnitte (Lehrer mit zwei oder drei Schülern). Die einzelnen Drucke
siehe in der Zusammenstellung am Schluß. Doctrinale I, II, III oder IV, Catho moralissimus, Grammatellus, Es
tu scholaris? usw. bilden den Inhalt.

Bemerkenswert ist der Druck: Peyligk: Philosophiae naturalis compendium, datiert „pridie
idus septembris" (12. Sept.) des Jahres 1499 wegen seiner anatomischen Darstellungen (Abb. 267—277).

Die Abbildungen zu Andreae: Arbor des Jahres 1500 stammen aus Drucken von Conrad Kachelofen,
dessen Tochter Dorothea Melchior Lotter geheiratet hatte und dessen Geschäft er später übernahm.

Die Münzen des Druckes „Ordnung der Münze" des Jahres 1500 (siehe Abb. 278/78a).

Die Figuren der beiden undatierten Ausgaben von „Algorithmus linealis" sind kein eigentlicher
Bilderschmuck.

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8. Wolfgang Stoeckel

Wolfgang Stoeckel, der spätere katholische „Hofbuchdrucker" reicht mit den Anfängen seiner Drucker-
tätigkeit noch in die Inkunabelzeit herein. Ein Dutzend seiner Leipziger Drucke vor 1500 hat figürlichen
Schmuck, der künstlerisch kaum in Frage kommt. Es sind folgende Drucke zu nennen:

Die beiden Ausgaben des Judicium Cracoviense des Michael de Wratislawia vom Jahre 1494, bzw.
1495 m^ ihren Titelholzschnitten (Abb. 27g u. 280).

Monte: Campus sophistarum vom Jahre 1496 weist nur Kreisfiguren mit Text auf; außer den kleinen
Figuren (Abb. 281—289) ist eine große Tafel (Abb. 290) eingefügt.

Datus: De variis loquendi figuris vom Jahre 1497, sowie Lapide: Resolutorium, datiert
„decimasexta mensis julij" sind mit ein und demselben Holzschnitt (Abb. 291) geschmückt.

Wimpina: Alberti bellorum epitoma, ebenfalls ein Druck des Jahres 1497, hat in der Schluß-
schrift das Druckerzeichen (Abb. 292), das Titelblatt zeigt „Albertus dux Saxonie theutonicus Achilles" (Abb. 293).

Dem Jahr 1498 gehört der Druck: Leymbach: Judicium mit dem Holzschnitt (Abb. 294) an.

Sacrobusto's opusculum bringt in Titelblatt und astronomischen Figuren in den Ausgaben 1498 und
1 499 nichts Neues.

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