Gritzner, Maximilian [Oth.]; Siebmacher, Johann [Bibliogr. antecedent]
J. Siebmacher's großes und allgemeines Wappenbuch: in einer neuen, vollständig geordneten u. reich verm. Aufl. mit heraldischen und historisch-genealogischen Erläuterungen (Band 2,11): Der Adel Deutsch-Lothringens: nach der auf urkundlichen Quellen beruhenden Sammlung des Archivraths L. Eltester in Coblenz — Nürnberg, 1873

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D. Das Patriziat der Stadt Metz

(Taf. 80.)

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äuser,

Letzteia

id M Metz, diese volkreiche, von jeher berühmte, früher
1 ßiüjiehr mächtige Stadt und in neueren Zeiten starke Festung
ngen S,die Wacht an der Mosel“, verdient es wohl, dass ihrem
AVeiiü,Patriziat wegen dessen eigentümlichen Verhältnissen
laus inline besondere Unterabtheilung dieses Werkes zu Theil

■ ujj^l Die Patrizier der Stadt Metz entstanden aus den
^genannten paraiges*) daselbst, d. h. sechs Verbindun-
w In von (adeligen und bürgerlichen) Familien, ursprüng-
' '.'/ich sicher verwandtschaftlich verbunden, welche jede ein
ramilajggei (auch eigenes Gebäude — ? —) besassen und die
it Johsfichtigsten Stadtämter (z. B. den Schöffenmeister (maitre-
ein EAchevin) die „Dreizehn“ (treize) die Prud1 hommes, War-
i "Wapres und Maires aus ihrer Mitte besetzten. Sie wohnten
icht nach Quartieren beisammen, sondern in der ganzen
H l yfcadt vertheilt.

arüböl Diese sechs paraiges Messen 1) Port-Sailly, 2) Porte-
‘ ‘ luzelle, 8) Jeurue (Juif-rue, Judengasse), 4) Saint-Martin,

I Outre-Seille (die Seille ist ein kleiner Fluss), 6) Commun.
\ rotte; Urkundlich treten z. B. schon im J. 1197 Hues de
Kugel, lorte-Saillis, Hues de Porte-Muzelle; ferner 1214 Henri
e Porte-Saillie, Bodulphe de Porte-Muzelle, Simon
ma| Ijklaboche (so hiess noch 1256 die paraige d’Outre-Seille),
iten eiifhert de Juif-rue et Bemi de St. Martin auf, doch waren
Schililese Namen damals noch Namen der Familien,
auflt j Im J. 1248 werden die oben genannten 5 paraiges
id die Commune getrennt aufgeführt. Erstere noch mit
rossen Vorrechten, da sie beispielsweise jede 20, die
ftnmune im Ganzen nur 40 Mitglieder in den grossen
ath wählten.

| Schon gegen Mitte des 15. Jahrhunderts wurden all-
älig in den 5 paraiges, die zuerst gewiss nur Bitter-
id Patrizier- (Schöffen-) Geschlechter enthielten, auch
ärgerliche und selbst Handwerker aufgenommen, wie
mn überhaupt um diese Zeit die Bittergeschlechter
ifingen. die Communen (Städte) zu verlassen.

; Uebrigens steht es fest, dass nicht alle Bürger von
etz in einer der paraiges oder im commun sein muss-
te, da hierzu ihre Zahl zu gross und die der Mitglieder
aer Verbindungen zu klein war.

I Mit der französischen Eroberung vom J. 1552 verlo-
a sich die Bechte der paraiges, welche sich bald darauf
flösten. Ein grosser Theil der patrizischen Familien
indte sich nach Deutschland, besonders nach Strass-

rg.

' Es dürfte interessant sein, die Zusammenstellung der
raiges in den einzelnen Jahrhunderten und die Namen
r dazugehörigen Familien zu erfahren.

Im Jahre 1250:

I. Porte-Seilly (Sallys auch Saillis): 2 Bitter, (de
igecourt und Mercier) und 13 andere Familienhäupter.

*) paraige = cognatio, consanguinitas: Familie.

Bd. II. Abth. 11.

II. Porte-Muzelle: 1 {Bitter (Belle-Barbe) und 13 Fa-
milienhäupter.

III. Juerue: 4 Bitter (d’outre Mesellez, Bemeis, Ber-
tans, Forquez) und 13 Familienhäupter.

IV. Saint-Martin: 2 Bitter (d’Ottonville und de

Sorbers) und 13 Familienhäupter.

V. Outre-Seille: 2 Bitter (Salvaigez und Truans)

und 13 Familienhäupter.

VI. Le Commun: 31 Familienhäupter, darunter die
d’Ars und d’Heu.

Im Jahre 1388:

I. Porte-Saillis bestehend aus 4Bittern: (2 Baudoiche,
2 Gornaix) und 21 anderen Familien.

II. Porte-Muzelle: 4 Bitter (Lambert, de Baigecourt,
D’Aix und Bertrans) und 18 anderen Familienhäuptern.

III. Jurue: 3 Bitter (Mettry, Braidy und Boullay)
und 25 andere Familien.

IV. Saint-Martin: 2 Bitter (Fran<;oy undLouve) und
16 andere Familien.

V. Outre-Saille: 3 Bitter (Symon, Benguillon und

Lohier) und 32 anderen Familien.

VI. Le Commun: 5 Bitter (Aixiet. de Vy, Mouretel,
de Heu undPaillat) und 22 anderen Familien — in Summa
155 Familienhäupter.

Im Jahre 1399:

I. Porte-Saillis: 19 Sires, darunter 8 Bitter (3Bau-
doiche, 3 le Grounais, ein de Laitre, ein Louve) und 18
Familienhäupter.

II. Porte-Muzelle: . 14 Sires, darunter 4 Bitter
(Amy, le Grounais, Dex und de Heu) und 23 Familien-
häupter.

III. Jurue: 9 Sires, darunter 3 Bitter (Bollay, Cuer,
Boullay) und 25 Familienhäupter, unter denen diverse
Goldschmiede und Krämer.

IV. S. Martin: 23 Sires, darunter 4 Bitter (Drowin,
2 le Grounais, ein Gornais) und 8 Familienhäupter.

V. Outre-Saille: 15 Sires, darunter 4 Bitter (ein le
Grounais, 2 Lohier, ein Benguillon) und 17 Familien-
häupter.

VI. Le Commun: 10 Sires, darunter 1 Bitter (de

Seriere) und 64 Familienhäupter.

Im Jahre 1404:

(In diesem Jahre stellten, während die Bürgerschaft,
welche in den 18 Kirchspielen nicht zu den paraiges ge-
hörte, nur 165, die Geistlichkeit nur 96 Pferde in Summa
aufbrachte, die 6 paraiges allein in Summa 321 Pferde,
ein Beweis, wie mächtig dieselben damals noch waren.

Hiervon stellte Porte-Saillis (bestehend aus 8 Bittern
und 14 Familienhäuptern) 57; Porte-Muzelle (6 Bitter.
18 F.-H.) 54; Jeurue (1 Bitter, 19 F.-H.) 44; St. Mar-
tin (1 Bitter, 10 F.-H.) 27; Outre-Saille (3 Bitter, 20
F.-H.) 44 und le Commun (54 F.-H.) 96 Pferde.

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