Universitätsbibliothek <Heidelberg> [Editor]; Steiger, Uli [Oth.]
Die neuzeitlichen nichtliturgischen Handschriften des Zisterzienserklosters Salem — Wiesbaden, 2012

Page: 332
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Cod. Sal. IX,37

Cod. Sal. IX,37

Jakob Murer (?): Kopialbuch des Prämonstratenserklosters Weißenau
(Abschrift), lat. und dt.

Papier * 68 Bll. • 33,2 x 21,4 * Salem * letztes Drittel 18. Jh.

Moderne Foliierung (1-65, 66*-68*). Schriftraum durch Blindlinien eingerahmt: 29,0 x 14,4; Zeilenzahl vari-
ierend, in der Regel 28 Zeilen. Lateinische Kursive und deutsche Kurrent einer Hand. Pappband mit Buntpapier
überzogen, Lederrücken. Roter Sprengschnitt. Auf dem Vorderdeckel unten links ovales Signaturschild, mo-
dern: Sal. 9,37.

Herkunft: Salemer Olim-Signaturen; Hinterspiegel mit ausklappbarem Signaturzettel: MS 542\ zweiter Signa-
turzettel verloren; Heidelberger Signatur: Codex Salem. 9,37. Keine weiteren Besitz vermerke. Entstehungsort
und Datierung aufgrund des Wz.-Befundes: Horn, waagerecht, darunter Traube; nahezu identisch mit Piccard,
WZK 119688 (Salem 1765). Gestützt durch Schiltegger, Codices manuscriptos, S. 269: „Codex charteaceus est
in folio scriptus recentissimae aetatis, scriptura cursiva“.

Literatur: Ludwig Bethmann, Reise durch Deutschland und Italien in den Jahren 1844, 1845, 1846: 6. Hand-
schriften der Universitätsbibliothek zu Heidelberg, aus den Klöstern Salem und Petershausen am Bodensee er-
worben 1827, in: Archiv der Gesellschaft für ältere deutsche Geschichtskunde 9, 1847, S. 583 (Hs. mit falscher
Datierung erwähnt; auch Jacob Murer fälschlich als Abt der Reichenau bezeichnet: Augia maior = Kloster Rei-
chenau, verlesen aus Albaugiensis = Alba Augia, die „weiße Au“); Acta imperii selecta. Urkunden deutscher Kö-
nige und Kaiser mit einem Anhänge von Reichssachen, ges. von Johann Fr. Böhmer, hg. von Julius Ficker aus
seinem Nachlasse, Innsbruck 1870, Nr. 349, S. 294 (Urkunde nach dieser Hs. ediert); Schiltegger, Codices
manuscriptos 3, Nr. 4, S. 262-269; Digitalisat: http://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/salIX37.

lr-65v ABSCHRIFT DES KOPIALBUCHS DES PRÄMONSTRATENSERKLOS-
TERS WEISSENAU. [Titel.] >Chronica Albaugiensis Copia Bauren-Kriegs ab anno 1523.
Cum Quibusdam Eiusdem Imperialis Canonix fnndatoribns.<. Die Hs. enthält jedoch
kein einziges Wort zur Geschichte des Bauernkriegs, wie schon Schiltegger, Codices
manuscriptos, S. 269, bemerkte: „De bello rusticano nec verbum in toto codice occurrit“.
Der verwirrende Titel rührt wohl daher, dass der Bauernkriegschronik Jacob Murers
(1468-1533) ein Kopialbuch der Klosterurkunden angebunden ist; dieses diente offenbar
als Vorlage für die Salemer Abschrift (Hs. heute im Fürstlich-Waldburgisch-Zeilschen
Archiv, Schloss Zeil, ZAMs 54; Jacob Murers Weißenauer Chronik des Bauernkriegs von
1525, hg. von Günther Franz unter Mitarbeit von Werner Fleischhauer, Sigmaringen
1977, S. 15); über eine Abschrift der eigentlichen Bauernkriegschronik ist nichts bekannt.:
5T Nota in hoc libro continentur Fundatores et Benefactores Ecclesne augiensis • nec non
privilegia et confirmationes Imperatorum Regum et Ducum qui dotavenmt, privilegia et
confirmationes dederunt Monasterio augiensi. ... 8r ... >De Fundatore et fundatione au-
giensis Ecclesne Sancti Petri apostoli.< ... 65T ... Carolus V. hujus nominis Romanorum Im-
perator ■ sui tituli leguntur in privilegiis sequentibus. et electus fuit anno Domini 1520. et
dedit privilegium, ut sequitur [hier bricht der Text ab].

Es handelt sich bei der vorliegenden Hs. um eine Zusammenstellung der Weißenauer Pri-
vilegien, die von Jakob Murer nach seiner Wahl zum Abt 1523 mit dem Notar und Kir-
chenrechtler Hieronymus Winckelhofer (sicher seit 1510 als Notar nachgewiesen) erstellt
wurde, um gegenüber der österreichischen Landvogtei die Reichsunmittelbarkeit des Klo-
sters beweisen zu können (ausführlich Peter Eitel, Jacob Murer, Abt und Chronist der

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