Stintzing, Johann August Roderich von
Geschichte der populären Literatur des römisch-kanonischen Rechts in Deutschland am Ende des fünfzehnten und im Anfang des sechszehnten Jahrhunderts — Leipzig, 1867

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l'emühten, von dcm fremdcn Rcchte wenigstcns sv viel zu erlernen, als nvth-
wendig erschien, nm nicht vvllig rath- und hülflvs dcr Züperiorität jcdcs
Oial'ulisten vcrfallen zu scin.

Lv lreffen wir denn die Halbgelehrtcn unter den Lchrcibern, den
Nvtaren, den Lachwaitern, den Urtheilern: und wie verschicden auch das
Maaß der erwvrbencn Kenntniffe unter ihnen vertheilt sein mvchtc, sv bilden
sie dvch in ihrer Gcsammtbeil dic Bermittlung zwischcn dem kleinen bürger-
lichcn Lebcn und der frcmden Gelehrsamkcit.

II. Die Hülfsmittel dcr Halbgelehrten.

Das Bild, welches wir bisher vvn dcr Ltellung und dem Wirkungs
kreise der Halbgelehrtcn zu entwerfen suchten, gewinnt erst seine vvlle Wahr-
bcii, wenn wir die Hülfsmitrel kennen lernen, mil denen sie sich bildetcn,
das Ha nd w erkszeug, mit welchem sie ihre Arbeit vvllbrachten.

Weder die Quellen, nvch die überladenen Cvmmcnlarien dcr italienischcn
Rechtsgelchrtcn waren für ihre Bedürfnisse brauchbar. Wer mil halbem
Wissen vvn der Universität heimkehrte, wird sich nicht nach jcncn schwcrvcr-
ständlichen und schwerfälligen Büchcrn zurückgewcndet haben, bei dencn cr
mit geringem Ersvigc schon manches Iahr verbracht hatte, wcnn cr übcr-
baupt in ihren Bcsitz gelangl war. Wcm das Latcinischc nicht geläufig
war, wer akademischc Ltudien weder hinler sich hatte, nvch zu beginncn be-
absichtigte; wer nur für das nächste praktische Bcdürfniß sich einigermaaßcn
mit dem fremden Rechte bekannt machen wvllte: dem kvnnte es nicht in
dcn Dinn kvmmen, nach den Hüifsmitteln dcr Gelehrten zu greifen. Abcr
auch Derjenige, wclcher mit der besten Absicht und guten Vorkeiintnissen
ausgerüstet die Universität bezvg und sein Rechtsstudium begann, wird
vor den Quellen und dem sie umgebenden Wust der schvlastischen Weishcit
rathlos dagestanden habcn: denn keine der gelchrten Cvminentativnen war
dazu angethan, ibm durch verständige Mcthode den Cingang in diese neue
Gedankenwclt zu ervffnen, vder ihm cinen, wenn auch nur mcchanischen,
Schlüssel zu überliefern.

Cine eigene Klasse der Schriftstel lerei ward durch diese mannig-
faltigen Bedürfnisse zu Tage gefvrdert, um ihnen hülfrciä' zu bcgegncn.
Äe ist, wie dic Bildungsstufe, der sie diencn svll, mcistens vvn sehr unter-
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