Südwestdeutsche Rundschau: Halbmonatsschrift für deutsche Art und Kunst — 1.1901

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f)inten im Gccf ein fd)önes Maoter mit einem £otenfd)äbel bavauf.
%\t äßanb oor mir fcfjmücft ein Büffet mit ädertet Storitäten ba-
rauf, baneben ein altertümlicher ©effel mit bof)er 9tücfentebne -
beibes mit sDlarquetterie negiert. 2)ie (inte Seitemuanb ift oon
einer bleibe großer ^yenfter burd)brod)en, nor me(d)en ©arbtneti in
nerfdjiebener |)öt)e unb tftid)tung oerfd)iebbar angebrad)t finb; ba-
runter ein langer Jifd) ooüer klappen unb Silber. Über mir
fpringt ein offener, böljerner Halfan in bas Limmer oot, auf
beu eine Jreppe linfs uorn in bev |)alle biuauffübrt. darunter
ftef)t, gleid) oor mir lml§>, ein £ifd), ein Sdjreibtifd], mit an;
gefangenen Arbeiten überlaben — bas ift ber gemütlid)fte SBinfel
im gangen 9taum. %a bat bie treue £)ünbin ibren ,,:>uflud)tsovt,
nämlid) ju bes 9)ceifters tfüBen, unter bem £tfdE): bort trollt fid)
ein fleiner, jotttger 33är berum, bas 3ltup,e ber ^ätibttt; unb fte
lä^t es %u, baB id) ibn beroorbole unb mit ibin fpiele. Über bem
Sifd)e £)ängt eine sDcanboline neben Dielen anberu aubeimelnben
@egenftänben, bie ben Öraum erfüllen.

9Jcan fül)lt fid) ungemein angeregt unb glücflicl) in biefer
Umgebung, bie uon bem l)oben äftbetifd)en Sinne ibres 'öemobners
ein beutlidjes 3eitgnt§ ablegt. s33ei. einer feinen tflafdje alten
©Ifäffer^ plauberte bann ber ftünftler mit mir über feine Arbeiten
unb geigte mir an oerfdjiebenen 9)löbeln, mie biefelben entfielen.

£arl Spinbier entmirft bie Zeichnungen unb kleine, bann
raerben bie paffenben .po^arten ausgefudjt unb predjtgefcbmitten,
bie ber Mnftler mit 3a^len in ben einzelnen gelbem oormerft.
3d) erfahre unter anberem, baf; er feinen ganzen sBebarf aud)
burd) inlänbifdje ^ölger becfen tonnte, fid) aber nur auslänbifdje
fommen läfjt, meil es feine inlänbifd)eu Sägeroert'e gäbe, bie if)m
bei einer fo fleinen 2tbnabme bes nötige liefern tonnten, beim
£arl Spinbier arbeitet nid)t fabrifmäBig mie feine fvan^öfifdjen
Kollegen — feine Arbeiten geben lattgfam oor fid), eine jebe ift
ein Driginalfunftmerf — er malt in ^»olj, mie ein anberer ^ünftler
in Öl. 3)abei ift es überaus berounbernsmert, mie er bie Harbern
ffala feiner 91atur§öl§er an^umenben oerftebt. 3)ie berrlidjften
Söirfungen roerben oft burd) bie fcfyeinbar einfad)ften Zufammem
fe^ungen erhielt — eine Harmonie rul)t über biefem föftlid)en §ol^
gemälbe ausgebreitet, mie mir fte bem fiefer nid)t fd)ilbern
fönnen — mie er fte fid) f elber mitanfefien mufj, um über biefe
^unftmerfe §u urteilen.
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