Thorbecke, August [Oth.]
Statuten und Reformationen der Universität Heidelberg vom 16. bis 18. Jahrhundert — Leipzig, 1891

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gehalten, auch ihnen sollichs iederzeit zuvor durch den pedellen oder collectorem
angetzeiget und verkündiget werden.

Zuletzt, damit auch die persohnen der universitet zur zeit der theurung
mit gepuirlicher notturft versehen und underhalten, so wollen wfr, das obgenante
körn- und weinmeistcr die Sachen sovil muglichen dahin richten und schickhen,
damit man zu iederzeit an körn und wein, bevorab aber an körn, ein zimlichen
furrath habe und nit dasienige, das man zu der noth nit entperen khan, (f. 34)
liderlichen und onnoth hingehen oder verkhaufen laßen;

Und solchen ietztgedachten furrath dester pesser und füglicher zu erhalten,
sollen rector und universitär hinfur dahin bedacht sein, das si ein eigenen Speicher
oder kornkasten bekomen oder selbst anstellen, auch ihre eigene bequeme keller
allzeit haben, obgemelte frucht und wein, sobald die gefallen und eingebracht,
sovil pesser zu verwahren und demnach den wein durch einen fromen, getreuen
bender, die frücht aber durch ein mütter oder kornmesser, ein iedeß, wie sich
gepuirt, treulichen versehen und zu nutzen behalten lassen.

Es sollen aber die körn - und weinmeister nit liderlichen einem ieden uff
sein ansuchen und begehren körn oder wein verkauften und zusteen lassen,
sonder, solang es die notturft des fisci oder die gelegenheit der waaren nit er-
fordert, diesclbig uff ein vorrath und biß zu theurn zeiten behalten uud uffliebcn,
damit so alßdann uff dem gemeinen marekh solcher notwendiger ding nicht zu
bekomen, den persohnen der universitet hiemit verholfen und gedihnt werde.

Und für solche arbeit, muhe und sorge sollen dem procuratori, den bau-
meistern, beiden wein- und kornmeistern, auch dem mutter und bender ihre ge-
wohnliche gepurende besoldung nach ermässigung rectoris und der universitet, was
für pillich angesehen und geacht mag werden, geordnet und gemacht und vol-
gends iedes iars aus der universitet gemeinem seckhl oder fisco ausgericht und
betzahlt werden.

(§ 22.) Von Verleihung der universitet leeturn.

Damit aber in Verleihung der lecturn, unser universitet zugehörig, einicher
irrthumb kunftiglichen nicht einfalle, oder sich betrug und gefahr darunder be-
geben thue, so ist unser meinung und wollen, wann derselben lecturn eine oder
mehr in den dreien obern faculteten vaciren oder ledig sein werden, das rector
und universitas zu einer ieden vacirenden lectur zwo tugliche gelerte, erbare und
darzu (f. 35) geschickhte persohnen vermitist ihrer pflieht und eide, hindangesetzt
alleß gunsts, Hb, freuncltschaft, feindschaft, neids, haß oder Unwillen, auch gaab,
miedt, geschenckh und alles andern, und allein der universitet fromen, wolfarth
und aufnemen zu bedrachten, zu derselben lecturn unß in schrifften und mit auß-
furunge gnugsamer Ursachen, sie darzu bewegendt, nominiren und antzeigen, aus
denselben zweien eine nach unserm gefallen haben zu presentiren.

Nachdem aber und alß wir in erfahrung komen, sich vilmahls in solcher
election und verleihunge der lecturn zugetragen, das umb der succession, zu
zeiten auch Substitution et praestitae pro aliis operae causa und dergleichen viler
praerogativen willen, so ettliche zu den lecturn zu haben vermeinen, dieselben
praeragativen mehr dann der gemeine nutzen der universitet angesehen und dem-
nach die lecturen so mit duglichern und geschickhtern persohnen leichtlich und
wol hetten mögen bestelt werden, ettwan desto geringer und liderlicher versehen
worden sein, nicht zu kleiner Verachtung und abfall diser universitet: so ist
demnach unser ernstlicher strenger befelch und meinung, das in den electionibus,
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