Fiechter, Ernst Robert [Hrsg.]; Toebelmann, Fritz [Begr.]
Römische Gebälke (Band 1) — Heidelberg, 1923

Seite: 73
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Abb. 61. Geison vom Serapis-Tempel.

IX. Tempel des Serapis.

Tafel XII.

Das auf Tafel XII aufgenommene Gebälk stammt von einer Ruine, welche bis zum
Anfange des 17. Jahrhunderts auf der Westspitze des Quirinais, oberhalb des alten Palastes
der Familie Colonna, aufrecht gestanden hat1. Es war eine Ecke der Rückwand eines
Gebäudes aus Quadern mit Marmorbelag von gewaltigen Dimensionen; die Erhaltung
war zum Teil dadurch bedingt, daß sich an die kolossale Quadermauer eine mittelalterliche
Befestigung angelehnt hatte. Aus dem Namen dieser Befestigung „Torre Mesa" —vielleicht
= mezza, der halbe Turm — hat falsche Gelehrsamkeit im 15. Jahrhundert dem antiken
Gebäude den Namen „Palazzo di Mecenate" geschaffen. Die turris Maecenatiana, von
welcher Nero dem Brande Roms zugeschaut hatte, war den Astygraphen der Renaissance
aus Sueton (Nero c. 38) bekannt, und für eine moles propinqna nubibus arduis, wie Horaz
(od. 3, 29, 10) den Bau des Maecenas nennt, schien die trotzig aufragende Ruine sehr
passend. In diesem Sinne haben denn auch die Architekten des 15. Jahrhunderts den
Ruinenkomplex zu einem „Palaste des Maecenas" ergänzt. Giuliano da Sangallo (cod.
Barberin. f. 63". 65''. 68v. vgl. S. 67. 69. 71 meiner Ausgabe) gibt diesem Palaste einen
Mittelhof mit umlaufenden Portiken, auf welchen sich von vorn und von hinten sym-

1 Über die Geschichte und Benennung der Ruine s. Jordan-Hülsen, Topogr. I, 3, S. 421 ff.

Toebehnann, Gobälke. 10

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