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Fiechter, Ernst Robert [Editor]; Toebelmann, Fritz [Bibliogr. antecedent]
Römische Gebälke (Band 1) — Heidelberg, 1923

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https://doi.org/10.11588/diglit.8775#0120
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Abb. S4. Gesimsstück im Latcran-Muscun

XIV. Gebälk von S. Silvestro in Capite

(vom Hof des Sonnentempels des Aurelian).

Tafel XVII.

Die auf Tafel XYII abgebildeten Gebälkstücke sind im Jahre 1907 bei Bauarbeiten
unter der Apsis der sehr alten (von Papst Paul I., 757—767 begründeten, von Innocenz III.
um 1200 erneuerten) Basilika von S. Silvestro in Capite, im Marsfelde östlich der Via Lata
(Corso) zu Tage gekommen. Außer den unten aufgezählten Fragmenten architektonischer
Dekoration, welche D. Vaglieri (Notizie degli seavi 1908 p. 231 ff.) zuerst herausgegeben
und besprochen hat, sind bei jenen Arbeiten Reste von Tuffmauern (Notizie 1907 p. 680)
und Skulpturenfragmente (Stück eines Monumentalreliefs aus dem 2. Jahrhundert, von
dem ein anderes bereits 1876 an gleicher Stelle gefunden war; Fragment einer bekleideten
Statue, Notizie 1908 p. 172) gefunden. Das Ganze macht den Eindruck, als ob die Fund-
stücke nicht ganz an ihrer ursprünglichen Stelle, sondern schon nach zweiter Verwendung
im Mittelalter gefunden seien. Aber auf keinen Fall werden namentlich die großen und
gewichtigen Architekturstücke von weit herbeigeführt sein.

An der gleichen Stelle bei San Silvestro hatten sich bis ins 16. Jahrhundert bedeutende
Reste eines antiken Monumentalgebäudes erhalten, dessen genaueste Aufnahme sich
in den Zeichnungen Andrea Palladios findet1. Nach dem von Palladio aufgenommenen
Grundrisse existierten damals östlich des Corso Reste eines großen rechteckigen Säulen-
hofes mit seitlichen Nischen von meist rechteckigem Grundrisse; südlich von dem Säulen-
hofe lag ein länglicher, beiderseitig durch halbrunde Exedren abgeschlossener Vorhof.
Die Wände des Säulenhofes waren dekoriert mit Nischen oder aediculae, in zwei Reihen
übereinander, deren Giebel in barocker Weise in der Mitte gebrochen sind. Ein Stück
eines Giebels, welches der von Palladio gezeichneten Form entspricht, ist 1876 unter dem
früheren Kloster von S. Silvestro, dem jetzigen Hauptpostgebäude, ausgegraben worden
(Lanciani Notizie degli seavi 1876 p. 137, Bulletino comunale 1894 p. 306).

Die Dekoration des Hofes zeigt, wie ich Bullettino comunale 1895 p. 42ff. ausein-
andergesetzt habe, charakteristische Ähnlichkeit mit der des großen Sonnentempels von
Baalbek; auch der Grundriß, wie ihn Palladio überliefert, scheint durchaus für ein großes
orientalisches Kultgebäude geeignet. Nun nennt die konstantinische Regionsbeschreibung
in der nördlichen Hälfte der siebenten Region, unweit der an der Ostseite der Piazza Co-
lonna gelegenen Porticus Vipsania, ein Templum Solis, ohne Zweifel das von Aurelian
dem syrischen Baal von Emesa errichtete Heiligtum, welchem unter anderem große Hallen-

1 Palladios Zeichnungen, früher in der Sammlung des Duke of Devonshire, jetzt im Royal Institute of British Archi-
tects, die Blätter mit den Resten bei S. Silvestro vol. X f. 16. S. Lanciani, Bull, comunale, 1894, tav. XII—XIV.
 
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