Walden, Herwarth
Glaube: Komitragödie — Berlin, 1918

Page: 7
DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/walden1918/0011
License: Public Domain Mark Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Der F r e u' n d

Hören Sie mal, lieber Freund, Sie sind so ein netter guter
Mensch. Den Gefallen könnten Sie mir eigentlich tun

Der gute Mensch

Ich überlege hin und her

Der Freund

Nur keine Opfer. Wenn Sie diese Kleinigkeit als Opfer
auffassen, will ich um nichts gebeten haben

Der gute Mensch

Sie wollen es nicht glauben. Aber ich habe wirklich kein
Vermögen. Müssen es denn tausend Mark sein

Der Freund

Ich würde tausend Mark dafür geben, wenn es mit weniger
zu machen wäre. Nur die peinlichste Lage kann mich ver-
anlassen, Ihre Güte in Anspruch zu nehmen. Gerade weil
ich weiß, daß Sie helfen, wo Sie können, würde ich Ihnen
gegenüber eine solche Bitte nicht äußern. Um so weniger,
da Sie niemals abschlagen

Der gute Mensch

Sie überschätzen mich. Jeder Mensch tut, was er kann.
Ich will Ihnen die tausend Mark geben, trotzdem ich mir
noch gar nicht vorstellen kann, wie ich diesen Monat
selbst auskomme

Der. Freund

Dann kann ich das Geld nicht annehmen. Es wäre mir ein
fürchterlicher Gedanke, Sie in Not zu wissen. Lieber
bringe ich mich um die Ecke

Der gute Mensch

Wie können Sie denken, daß ich das zulasse. Von Not ist
bei mir natürlich nicht die Rede

/
loading ...