C. J. Wawra <Wien> [Hrsg.]
Öffentliche Versteigerung des künstlerischen Nachlasses des Landschaftsmalers Eugène Jettel, Ritters der Ehrenlegion: Versteigerung, den 27. Jänner und die darauffolgenden Tage (Katalog Nr. 174) — Wien, 1902

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EUGEN JETTEL

Wenn man in Räumen, in welchen die Werke eines dahingegan-
genen bedeutsamen Künstlers der fühlenden oder auch nicht fühlenden
Menge vorgeführt werden, umherblickt, so beschleicht einem im Grunde
ein tief schmerzliches Gefühl, ähnlich wie bei dem Leichenbegängnisse
eines lieben Menschen, den man geehrt und geschätzt, oder gar
seinen Freund genannt hat. Denn gebannt in dessen Schaffenswelt,
ergriffen von den Bildern, die uns da von den Wänden herab
grüssen, gedenken wir des Geschöpfes, das diese Thaten ins Leben
rief, das nun nach einem ewigen Naturgesetze in seine Atome zerfällt,
gleichwie sein künstlerischer Nachlass das Opfer eines zersetzenden
Theilungsprocesses wird, und Stück auf Stück in die weite Welt
hinauswandert. Und leider nur wenige Künstler hatten das Glück, dass
auch nur ein Theil ihrer Werke gesammelt und vereinigt erhalten
werden konnte, um ein einheitliches Bild ihres Schaffens kommenden
Zeiten zu bewahren. So auch dürfte es bei unserem lieben, hoch-
geschätzten Collegeu und Freunde Eugen Jette 1 der Fall sein. Um
so tiefer ergreift uns daher das Gefühl der Trauer, betrachten wir
diesen letzten Rest eines so unendlich freudigen, künstlerischen Schaf-
fens, woraus er unerwartet durch jähen Tod hinweggerafft wurde.
Soeben ergriffen von einer neuen Phase künstlerischer Erkenntniss
er hatte das österreichische Küstenland und Dalmatien gesehen
wurde seine Gestaltungsfähigkeit erfrischt und belebt, seine ebenso
schmiegsame als empfängliche Individualität in jene bewegte Stimmung
versetzt, welche den Künstler alle Erscheinungen in der Natur ein-
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