Woermann, Karl [Editor]; Königliches Kupferstichkabinet <Dresden> [Editor]
Handzeichnungen alter Meister im königlichen Kupferstichkabinet zu Dresden (Sechste Mappe) — München, 1897

Page: 61
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ITALIENER DES XVI. UND XVII. JAHRHUNDERTS

TAFEL I
GIROLAMO GENGA
Umbrische Schule
Geboren zu Urbino 1476; gestorben daselbst den 11. Juli 1551. Schüler Luca Signorelli’s und Pietro Perugino’s.
188. BEIM BADEN ÜBERRASCHTE KRIEGER
Federzeichnung. Höhe 324, Breite 363 mm. Erworben 1860 auf der Versteigerung des Nachlasses des Kunsthändlers
Samuel Woodburn in London.
An dreissig teils noch nackte, teils schon halb angekleidete Krieger füllen den Raum am Ufer des Flusses, der rechts im
Vordergründe angedeutet ist. Dicht gedrängt, sind sie in den verschiedensten Stellungen einander beim Ankleiden behülflich oder
mit sich selbst beschäftigt. Einige geraten auch in Streit miteinander. Im Hintergründe starren Lanzen empor.
Dieses Blatt, welches sich nach Massgabe des Stempels T. L. (unten links) vormals im Besitze des Sir Thomas Lawrence
in London befand, wurde bei seiner Erwerbung für die Dresdner Sammlung keinem Geringeren als Andrea Mantegna (1451 1506)
zugeschrieben, in Dresden jedoch auf den Namen des Antonio del Pollajuolo (1429—1498) umgetauft. Offenbar aber gehört es dem
fortgeschritteneren sechzehnten Jahrhundert an. Lermolieff-Morelli schrieb es in der zweiten Auflage seines bekannten Werkes über
die deutschen Sammlungen (1891, S. 367) mit grösster Entschiedenheit dem Girolamo Genga zu. Wenn wir uns dieser Benennung
angeschlossen haben, so gestehen wir doch, dass wir vorläufig Morelli die Verantwortung-dafür überlassen müssen.

TAFEL II
RAFFAELLO SANTI DA URBINO ODER GIULIO ROMANO
Römische Schule
Geboren zu Urbino den 7. April 1483; gestorben zu Rom den 6. April 1520, empfing Raphael den ersten Unterricht
von seinem Vater Giovanni Santi in Urbino, war dann hauptsächlich Schüler Pietro Perugino’s in Perugia. Unter dem Einfluss von
Meistern wie Lionardo da Vinci, Fra Bartolommeo und Michel-Angelo weiterentwickelt, gelangte er schliesslich zur höchsten künst-
lerischen Selbständigkeit und Freiheit. Bis 1508 arbeitete er hauptsächlich in Perugia und Florenz, nach dieser Zeit in Rom, wo
er als der Führer der römischen Malerschule galt.
Sein Hauptschüler Giulio Pippi, genannt Giulio Romano, wurde 1492 in Rom geboren und starb am 1. November 1546
in Mantua, wohin er 1524 übergesiedelt war.
AMOR-STUDIEN FÜR DIE FRESKEN DER FARNESINA
Rötelzeichnungen. Höhe 172, Breite 203 mm. Erworben 1860 auf der Versteigerung des von Quandt’schen Nach-
lasses zu Dresden.
189. AMOR NACH LINKS GEWANDT. VORDERSEITE
Der junge Liebesgott hebt im Fluge den rechten Arm und das linke Bein. Den Bogen fasst er mit der Linken. — Es
ist die Studie zu dem Amor auf dem Fresko, das im Lübke-Gutbier’s Raphaelwerk II Tafel 54 links nachgebildet ist. —■ Unten rechts
der Entwurf eines zweiten kleineren Liebesgottes.

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