Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 12.1894

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der Chorbogeu, auf dessen Würde und
Bedeutung der Name Triumphbogen hin-
weist. Seine Leibung soll, wo immer die
Mittel vorhanden sind, nicht bloß mit
kraftvollem Farbenspiel, sondern auch unt
reicherem Ornament geschmückt werden;
letzteres darf aber selbstverständlich nicht,
wie nicht selten zu sehen, bis ans den Fuß-
boden herablanfen, sondern muß ebenfalls
in Mannshöhe von einem kräftigen ein-
tönigen Farbensockel ausgenommen werden.
Die zwei Wandslächen rechts und links
vom Chorbogen, die Rückwände der Seiten-
altäre sollen wie die Rückwand des Hoch-
altars ebenfalls reicher ansgestattet wer-
den ; hier können die vom Sockel ver-
bannteil gemalten Teppiche ihre Stelle
finden. (Schluß folgt.)

lieber schwäbische (Himer) Huniatnr-, ins-
besondere Wrief- und Aartenmaler.

Boi: Amtsrichter a. D. Beck.

(Fortsetzung.)

Sieghart führt a. a. O. weiter zlim Jahre 1496
noch an: Jakob Grab, Kartenmaler aus Ulm in
Regensbnrg. Mit diesen Namen ist lvoht die ganze
Zahl von Ulmer Brief- und Kartenmalern noch
lange nicht erschöpft; manche derselben scheinen
sich, >vie wir bereits an zlvei Beispielen gesehen,
nach auslvärts gewandt 311 haben. So finden
lvir auch in Dr. Glvinners „Zusätze und Be-
richtigungen" zil seinen: vvransgegangenen Werke:
„Kunst und Künstler in Frankfurt a. Ai. k.“
(ebendaselbst, Verlag von Johann Baer, 1867,
S. 106) einen iveder bei Jäger lind Häßler uub
Weyermann, noch in der Ulmer Oberamts- ilud
iil der ivürttembergischeil Landesbeschreibuilg,
noch soilstlvo genannten weiteren Ulluer Brief-
maler: Hans Abel von Ulm, der Maler,
lliu das Jahr 1497 in Frankfurt a. M., lvelcher
int selben Jahre, „als der by eyner Dirne nachtes
in der Uilehe betreten wurde, zu Schloß gebracht
lvard und vrfridden schwören mußte". Derselbe
Abel empfing Lab. post Laetare im Jahre 1500
für „sechs Briefs zu malen mit den Niederlendischen
Gulden" 18 [i (dreier?). Dies lvaren Warnungs-
tafeln für die Kaufleute wegen in llmlauf ge-
kommener falscher niederländischer Guldenstücke.
Die Tafeln lvnrden dann an den Pforten ange-
schlagen. Wie lange die Briefmalerkunst in Uhu
allgedauert hat, läßt sich nicht mit Bestimmtheit
sagen, jebenfalls fällt ihre Blüthezeit hier tute
anderwärts in das 14. nild 15.' Jahrhundert,
bis zur Erfindung der Buchdruckerkuilst, worauf
sie allmählig immer mehr zurückging uild
schließlich fast ausgegangen zu sein scheint. Uu-
läugbar that die Druckerkunst nnb die Ausbil-
dung des Formschnitts in den Holzschnitt der
alten Brief- und Buchmalerei sehr Eintrag.
Zwar widersetzten sich die Gildeil der Jllumim-
sten, Rnbricisteil und Miniatoren einige Zeit
mit Erfolg gegen die Versuche der Drucker, auch

die Leistungen der Jllunlinatoren, lvie die der
Schreiber zu übernehmen und wurden thatsäch-
lich iil einer R'eihe von Wiegendrucken die Stellen
der Initialen von ben Druckern leer gelassen,
beziehungsweise mit einer kleinen Minuskel als
Merker ailgedeutet und daun hernach voll denJllu-
ministen ausgemalt. Allein eine solche lästige Ar-
beitstheililng konnte sich natürlich aus die Datter
nicht halten und übernahm im Lailfe des 16. Jahr-
hunderts der Hvlzschilitt völlig die künstlerische
Ausstattung der Druckwerke nnb verblieb den
Jllunlinisten höchstens ttnv die (iudeß sich bald
verlierende) Ausmalung der Holzschnitte. Jul
17. Jahrhundert, zll dessen Beginn (um 1601)
lvir daselbst einem Buchmaler Jakob Burghammer
(nicht Buxhammer) begegueit (siehe über denselben
Weyermann, II, S. 51) raucht noch eiuntal in
Ulm ein berühmter Meister, auch Formschneider,
Mathäus Schuttes (im Jahre 1652 ins Bürger-
recht daselbst aufgenvmnten) — nicht zu ver-
wechseln mit dem Augsburger Briefmaler nird
Formenschneider Hairs Sch ult es, von welchem
u. A. ein höchst merkwürdiger, gleichzeitig gut
kolorirter Holzschnitt aus dem Jahre 1586 mit
den: Bildniß des dortigen evangelischen Helfers
Johs. Berlacher zum hl. Kreuz vorliegt — auf,
von dessen Hand die 123 Holzschnitte in der im
Jahre 1679 bei Mathäus Wagner in Folio er-
schienen Theuerdankausgabe herrühren; außerdem
besorgte er eine uirter dem Titel: „Lust- und

lehrreiche Sittenschule in ungebundener Rede in
3 Theilen mit Holzschnitten, in 12°" erschie-
nene Aesopausgabe. Das Rathsprotokoll vom
3. Februar 1669 enthält folgenden, auf ihn be-
züglichen Eintrag: „Mathäus Schultheß ist auf
der Aignung scharf zu verweisen, daß er des
Hans Bauer Marktknechts (welcher in ben Thurm
gesetzt wurde) seine leichtfertigen Lieder ange-
nommen, selbige in Angsburg hat drucken lassen,
und allhie zum Aergerniß der Jugend verkauft
habe. Daunenhero er sich künftig dergleichen
entschlagen soll, oder so deren einige bei ihm
gefunden würden, soll er empfindlicher Straf
gewärtig sein, wie beim auch andere, welche
Lieder feil haben, zu tvarnen sind, daß sie nichts
leichtfertiges verkaufen, ansonsten man sie mit
ernstlicher Straf ansehen wird". Doch scheint
in diesem Jahrhundert die Briefmalerei zu Ulm
bereits im Niedergang gewesen zu sein. Bon
Ulmer Form sch neider n (zu vgl. den Auf-
satz des Verfassers: „Aelteste Holzschnitte in
Schwaben" im „Schwäbischen Diözesanarchiv",
X. Jahrg., 1893, Nr. 15, S. 59—60 und Bei-
lage 16, S. 28—32), unter welchen vielleicht der
eine oder andere auch zugleich Briefmaler ge-
wesen sein kann, nennt Jäger a. a. O.: Ulrich,
1398; Peter von Erolzheim, Heinrich und Jörg
>441; Ulrich 1442; Lienhart 1442; Claus,
Stoffel und Jos 1447; Wilhelm 1455 und
1470; Meister Ulrich 1461; Ulrich und Stoffel
wieder im Jahre 1470; Michel, Hans, Kunz
und Lorenz 1476. Vögelin der Schnitzer 1481,
welchen noch Hans S ch lä ff e r und Hans P a u r
(aus ?) anzureihen wären, von welch letzterem
2 Blätter in der kgl. öffentlichen Bibliothek zu
Stuttgart und im Kupferstichkabinett iu München
vorhanden sind. Alle diese Meister sollen indeß
nach Hans Bo esch („Katalog der Holzstücke des
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