Archiv für christliche Kunst: Organ des Rottenburger Diözesan-Kunstvereins — 14.1896

Seite: 56
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Wolken die heilige Dreifaltigkeit, unten eine
Arbeiterfamilie auf dein Felde, schön imb sinnig,
aber die Darstellung der fangenden Mntter ver-
stößt gegen den heutigen abendländischen An-
stand, für unser katholisches Volk haben tvir
Anderes und Besseres.

H ans Brüg gemann und seine Werke.
Ein Beitrag zur Kunstgeschichte Schleswig-
Holsteins von August Sach. Zweite
völlig neu bearb. Ausl., Schleswig, Ber-
gas 1895. 133 S.

Dein Verfasser gebührt das Verdienst, diesen
künstlerisch bedeutenden aber arehivalisch und
historisch nur wenig belegten Namen vor 30 Jahren
in die Kunstgeschichte eingeführt jn haben; er-
bietet jetzt die Frucht seiner inzwischen fortgesetzten
Nachforschungen und Studien. Hans Brüggemann
ist der Meister des Altares in Segeberg unb des
von Bordeshvlm, tvelcher 1666 irr den Dorn von
Schleswig transserirt tvnrde, zweier sknlpturen-
reicher Seitenaltäre, welche zit den besten des
ausgehenden Mittelalters gehören. Er ist ge-
boren vor 1410, gestorben nach 1528 imb wird
vom Verfasser mit großer Umsicht und Sach-
kenntnis in die Kunstgeschichte von Schleswig-
Hvlstein eingeordnet. Die Beschreibung und
Benrtheilung der beiden Meisterwerke ist über-
aus genau, gerecht imb pietätsvoll. Den mit
Katholischem nicht hinlänglich vertrauten Prote-
stanten verrät die Bemerkung über den „Hostien-
schrein", der nach S. 98 „zur Aufbewahrung
von Neliqnien diente und ursprünglich auch die
Monstranz enthielt" und die Wiedergabe der ein-
fältigen Legende von dem Christkind mit
mehreren Löchern im Kopfe, „durch die die
Priester zuweilen Blut oder Wasser goßen, das
als Thränen wieder durch die Augen hervvr-
dringen konnte". Doch ist der Verfasser ein-
sichtig genug, den Altar katholisch zu lassen und
nicht mit anderen „ganz von protestantischem
Geiste durchweht" zu finden. Die Art, wie im
Psingstbild die Ausgießung des Geistes versinn-
licht wird, ist nicht eigenartig, sondern die ge-
wöhnliche. Daß Petrus mit dem Griff seines
Schlüssels „beim Lesen die Zeilen verfolge"
(S. 128), dürfte eine allzu subtile Beobachtung
des Verfassers sein. Der linke Schächer heißt
doch wohl nur nach preußischer Anssprache
„Jesmas".

K u n st - S t i l - U n t e r s ch e i d u n g: Kurzge-
faßte Vorführung der augenfälligsten Kenn-
zeichen aller wichtigsten Stilarten mit 200
Illustrationen, verfaßt von Hans Sebastian
Schund. München, G. Franz'sche Hof-
buchhandlung 1896, 2. Aufl. 40 S. 8°.
1 M. 20 Pf.

Die verschiedenen Systeme der Kirchenbaukunst
kann man aus dieser ungemein kurz gefaßten
Stil-Lehre nicht kennen lernen. Sie ist (ans das
Gebiet der Sprachlehre übertragen) nicht eine
Syntax, aber sie ist theils mehr, theils weniger
als dieses: sie ist eine vergleichende Grammatik,
rvelche in das Wesen und Werden, folglich nicht
nur in die Eigenthümlichkeiten, sondern auch in

die Abstammung und innere Verwandtschaft
aller Knnstformen von den alten Aegyptern bis
zur Gegenwart einführt und zwar an der Hand
außerordentlich sachlich und glücklich gewählter
Abbildungen, die soivohl der Architektur und
Ornamentik als der Kleinkunst und dem Klein-
gewerbe entnommen sind. Das Studium dieses
Werkchens —- und es ist leicht verständlich und
fesselnd — schärft das Auge, macht dem Umher-
tasten ein Ende und legt den Grund zu einem
gesunden Knusturtheil.

Ans Julius Schmidts Kunstverlag in
Florenz erhalten tvir ivieder einige Perlen ans
den Uffizien und dem Nationalmusenm in Flo-
renz in künstlerisch vollendeten, polychromen
Nachbildungen. Zunächst drei Brustbildchen in
Rund (9 cm groß; Preis ä 1 M.): Die Ma-
donna aus Fiesole's Gerichtsbild und ztvei Engel
ans seiner Krönung Mariens, alle drei unsag-
bar lieblich in Zeichnung, Farbengebung und
Beseelung. Dann Fra Filippi's Madonna mit
dem Jesuskind und zivei Engeln (1092:192 cm
groß; Preis 1,20 M.); ein köstlicher Hymnus
in Formen und Farben; ferner Fr. Albani's
Jesnsknaben (Rundbild 9 cm; Preis: 1 Bä),
mit ansgebreiteten Armen allein ans weiter
Flur unter dem Sternenhimmel stehend, ganz
in Gebet und Betrachtung des Vaters ver-
sunken. Endlich A. della Robbia's Madonna
mit dem Kind und Engelköpfchen, ein Terracotta-
relief, dessen Glasurfarben meisterhaft wieder-
gegeben sind (Größe 239r: 159s cm; Preis:
1,50 M.). Die Originale sämtlich Kunststücke
oberen und obersten Ranges, die Kopien eben-
falls lvahre Kuustleistungen des Farbenholz-
schniltes, — mehr braucht zur Empfehlung des
letzteren wohl nicht gesagt zu werden.

Annoncen.

hetdet'scheVetlägshändhing, Rteidutg
im Breisgau.

Soeben- ist erschienen und durch alle Buch-
handlungen zu beziehen :

Ebner, Dr. A., Quellen und Forsch-
ungen zur Geschichte u. Kunst-
geschichte des Missale Romanum im
Mittelälter. Iterltalicum. Mit einem
Titelbilde und 30 Abbildungen im Texte,
gr. 8°. (XII u. 488 S.) M. io; geb. in
Halbfranz M. 12.



Adolf Schell,

®ffenburg, Baden.

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Rn statt für kirchliche
Glasmalerei.



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rische Ausführung.
Grösste leistungsfähig« {
keit. Gegründet 4860.

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Stuttgart, Buchdruckern der Akt.-Ges. „Deutsches VolksLtatt".
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