Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen   [Hrsg.]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 15.1890

Seite: 30
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DIE GRUPPE DER TYRANNENMOERDER

nen gewiss jüngeren Werke (Wiener Vorlegeblätter VI Taf.l)
tritt er auch bei ihm ganz ausgeprägt auf. Unter den Vasen
des Hieron zeigt wieder nur die von Makron gemalte (Wiener
Vorlegeblätter C Taf. 1) jenen Stil, bei Brygos fehlt er ganz.
Endlich gehört hierher die Orpheusschale von der Akropolis,
(,Journal of Hellenic studies 1888 Taf. VI). Alle diese Va-
sen gehören ungefähr derselben Entwickelungsstufe an, bilden
also eine zeitlich begrenzte Gruppe. Auch die Vasen, auf denen
nach Furtwängler’s Bemerkung (Roscher’s Lexikon I S. 696)
Athena in der Tracht der Pallas Albani erscheint, gehören, so
weit die Abbildungen erkennen lassen, stilistisch und zeitlich
hierher1 (vgl. Gerhard A. V. Taf. 116 und 126). Anderer-
seits finden sich unter den Vasen des sogenannten strengen
Stils keine Beispiele des in Rede stehenden Typus, auch un-
ter den aus dem Perserschutt stammenden Vasenscherben von
der Akropolis, welche mehrere Monate von mir beobachtet
worden sind, und welche den strengen rotfigurigen Stil bis
zu seinem Höhepunkt zeigen, habe ich kein Stück gesehen,
auf welchem man ihn mit Sicherheit erkennen könnte. Die un-
tere Grenze sind die Vasen, welche bereits das Auge in der
Seitenansicht richtig gebildet zeigen ; sie weisen unseren Ty-
pus nicht mehr auf. Bezeichnend ist die im Journal of Hel-
lenic studies I Taf. 6 abgebildete Vase, auf welcher Achill
noch genau den Doppelzopf in der Anordnung wie unser
Jünglingskopf N. 2 zeigt, doch ist der Kopftypus (wenn die
Abbildung nicht trügt) verschwunden.

Der Höhepunkt dieses Geschmackes scheint also in jener
Entwickelungsstufe zu liegen, welche man als den Uebergang

An dem ‘ Peloponnesischen’ Charakter der Albanischen Statue kann
man nicht zweifeln, wenn man sie mit dem Apollokopf aus dem Olympieion
oder mit der Hesperide aus der Olympischen Metope (Ausgr. I Taf. 26)
vergleicht und dabei das oft besprochene Standmotiv beachtet. Furtwängler
bestreitet a. a. O. die Berechtigung, den Typus so zu bezeichnen, scheint
ihn doch aber Athen. Mitlh. VI S. 190 stilistisch ebenso einzuordnen; ver-
stehe ich seine Bemerkungen recht, so sträubt er sich also nur gegen den
Namen, weil sich Werke jener Kunstübung eben auch in Attika finden.
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