Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 119
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Die Stele ist seitlich durch zwei Anten mit korinthischem
Kapitäl begrenzt. Das Kapitäl des r. Pilasters ist bloss vorne aus-
gearbeitet. Zwischen den Kapitalen grenzt die Bildfläche nach
oben ein Rundbogen ab, der auf zwei seitlich von den Anten vor-
springenden Consolen aufsitzt und oben das Epistyl berührt. Im
Stelenfelde steht eine nackte Frau (Aphrodite?) en face. Sie
blickt nach 1. auf die bis in Augenhöhe erhobene r. Hand. Die
L. liegt an der 1. Brust. Die beiden Hände scheinen einen Gegen-
stand, vielleicht ein gemaltes Band gehalten zu haben. An den
Kapitalen und der Figur selbst sind zahlreiche Spuren rother Farbe
bemerkbar.

Wien G. SCHÖN R. WE1SSHÄUPL

Zu der Inschrift von Samothrake

Ephem. epigr. IV p. 53

In der samothrakischen Mysteninschrift aus dem J. 124 n. Chr.
hat O. Hirschfeld (in dieser Zeitschrift V, 224 f.) die erste Zeile,
in der rechts etwa 6-—9 Buchstaben fehlen, folgendermassen zu
ergänzen vorgeschlagen:

Regibus Jov[e et Augusto] oder
et Imp. n.

Hirschfeld nimmt mit Recht an, dass die für Byzanz durch
Münzen der römischen Zeit constatierte Sitte, dass Götter als Be-
amte der Stadt figurieren, auch an anderen Orten bestanden haben
werde, und sieht für Samothrake gerade in dieser Inschrift einen
Beleg. Eine Notiz bei Livius bezeugt in der That diese Sitte aus-
drücklich für die Stadt Argos und unterstützt weiterhin auch Hirsch-
felds Vermuthung, dass dem höchsten Gott in Samothrake auf jener
Inschrift gewiss kein gewöhnlicher Sterblicher, aber wahrscheinlich
auch kein anderer Gott, sondern „Hadrianus, der selbst als Jupiter
Olympius verehrte Kaiser1' beigesellt gewesen sei1). Livius (32, 25)
berichtet nämlich: mos erat (in Argivorum civitate) comitiorum die
primo velut ominis causa praetor es pronuntiare Jovern Apollinemque

») Mommsen (Eph. epigr. V p. 81) zieht Jov[e et Junone] oder Aehnliches yor,
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