Archäologisch-epigraphische Mitteilungen aus Österreich-Ungarn — 10.1886

Seite: 178
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Mittelalters (Ko£eaKÖc; der Byzantiner, Cossacho des venetianischen
Geographen Negri). Weiter gegen Norden sollen bei Arnautlar
40—50 Schritt lange Stücke eines gepflasterten Weges in der Rich-
tung gegen Varna verlaufen.

Die andere westliche Linie passirte zwischen Aivadzik und
Gulica bei dem (rumelischen) Dorfe Karamandza eine Pass-
sperre mit Thürmen und Thoren, welche, nach der Entfernung von
Anchialus und vom Panysus, mit den Scatrae des Alterthums
{It. Ant., Tab. Peut.) identisch ist. Ich habe diese Bauten in der
Eile nicht besuchen können, Herr Consul Brophy aber, der die
hiesigen Wälder auf Jagdausfltigen in allen Richtungen durchstreift
hat, beschreibt sie ganz klar als „some very perfect remains of a
Roman wall, in which may still be traced the gate and flanking towersu 3fi).
Die bulgarischen Zollwächter von Aivadzik wollten wissen, die
Mauer gehe von Karamandza durch die Wälder bis zum (15 Kilom.
entfernten) Meere, eine Combination, welche eine Verbindung der
Sperrforts an beiden alten Wegen voraussetzt. Das sind die ttuXgu
toO Aiuou südlich von Marcianopolis, im 5. Jahrhundert erwähnt
von Malchus (frg. 15). Von hier führen die Trümmer einer ge-
pflasterten Strasse mit einigen Castellen über Dzeferli, Geb es
und die Kamcija bis Sultanlar (an der Eisenbahn Ruscuk-Varna)
nahe bei Devna.

Die neu aufblühende Hafenstadt Varna (an 25.000 Einw.)
hat noch viele Reste des alten Odessos bewahrt. Ein grosser
Theil des antiken Baumaterials ist allerdings in den neuen türki-
schen Festungswerken verbaut; indessen findet man bei jeder Grund-
aushebung im Innern der Stadt stets antike bearbeitete Steine, wie
z. B. auf dem Hofe des neuen Hotel St. Petersburg neu ausge
grabene jonische und korinthische Capitäle feiner Arbeit mit canel-
lirten und glatten Säulenstümpfen zu sehen sind. Es fehlt auch
nicht an ausgedehnten alten Kellerräumen. Von der mittelalter-
lichen Stadtbefestigung steht noch ein ungefähr 8 Meter hoch auf-
ragendes Stück eines festen Thurmes aus grossen Steinquadern und
Backsteinen in wechselnden Lagen zu je vier Reihen, nahe bei der
höchsten Stelle des Niveaus der inneren Stadt, zwischen den Höfen
einiger Privathäuser bei der griechischen Kirche des hl. Georgios.
Der Thurm gehörte wohl zur Nordfront der ursprünglichen Akro-

36) St. Clair and Ch. A. Brophy, A residence in Bulgaria, London 1869,
p. 56 Anra.
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