Chronik der Stadt Heidelberg — 12.1904 (1906)

Seite: 153
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Aiid längere Zeit als Prediger an der Basilika zu München gewirkr
hatte, schloß er sich 1879 der altkatholischen Bewegung an und war
als Seelsorger in Koblenz und Zürich tätig, vo» wo ihn die hiesige
Geineinde als Nachsolger von Psarrer Rieks berief. Ilnter schwierigen
Nerhältnissen wußtc er seiner Ausgabe gerecht zu werden und
leistcte besonders Hervorragendes als Borstand des Sterbekassenvereins
Charitas und war unablässig nin das Wohl seiner Geineinde bemüht.

Der Maler Karl Weysser, der am 28. März anr dem Leben
schied, war am 7. Scptember 1833 in Durlach als der Svhn des
Kaiifniaiins Iind Bürgenneisters Friedrich Weysser geboren. Er hatte,
nachdcin er in seiner Baterstadl das PSdagogiiiin besucht hatte, zu
erst dcm Ingenicursache sich zugewendet, dann aber aus Redten
dachers, des großen Lehrers, Rat ssch mehr mit Matheniatik beschäs
tigt als im praktischen Dienst ausgebildet. Dis Jahrc des Sludiums
hatten aber seine slieigung zur Malerei nicht iinterdrncken können.
und gerade als die Kunstschule in Karlsruhe eröffnet wurde, gelaug
es ihm, des Baters Zilstimmiing zn erringen, daß er als einer ihrer
ersten Schüler in iie eintrat; Des Eoudres und Schirmer wurde»
seine Lehrer; der letztere führte ihn dem Landschaflssach zu, dem er
bis an sein Ende treu geblieben ift. Auch in Düsseldors und Mün
chen arbeitete er in der gleichen Richtnng und unternahin von da
seine Wandernngen Lurch die südwestdeutschcn Heiinatlande, um zahb
lose durch altertümliche Bauten und Natnrschönheit ausgezeichnete
Lrte aiifzulnchen und seine Skizzenbücher zn füllen und dann ans
diesen Etudicn seine reizenden romantischen Bilder zu schaffen, die sich
iinmcr mehr Verehrer gewonncn haben. Tie lctzten neun Iahre, den
Abend seincs arbeitsreichen Lebens, brachte er in Heidelberg zu, mit
nie ermüdendem Eifer und Fleiss seiner Kiinsr hingegeben. Ost
gaben in den Ausstellungen des hiesigen Knnstvereins seine Bilder
Gelegenheit, seine Kunst zu bewundern. Das dauernde Andenken an
ihn bewahren zwer Bilder in der Stadthalle: der Marktplatz mit
dem Rathaus und dem Schloß und die Ansicht auf die Stadt vom
Nordende der alten Brücke.

Nicht bloß der Familie, weiten Kreisen wurde eine schwcre
Lebenswunde geschlagen, als Hofrat Oppenheimer am 25. Iuni
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