Bayerischer Kunstgewerbe-Verein   [Hrsg.]
Kunst und Handwerk: Zeitschrift für Kunstgewerbe und Kunsthandwerk seit 1851 — 70.1920

Seite: 33
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FAUL PFANN

Skizze 1918

PAUL PFANN

Gedächtnisrede, gehalten in der Technischen Hochschule in München,

am 16. Februar 1920

In seinem 60. Lebensjahre ist am 1. August
1919 Paul Pfann in seiner Heimat, in
Nürnberg, gestorben. Je weniger Wesens
Pfann Zeit seines Lebens von sich und seinem
Werk gemacht hat, um so stärker empfinden
wir jetzt, was wir an ihm verloren haben.
Bitter schmeckt die Erkenntnis, die die Be-
trachtung seiner Ausstellung aufnötigt, daß
Pfann, vor größere und zahlreichere Aufgaben
gestellt, auch in der baukünstlerischen Produk-
tion hätte einer unserer Besten sein können,
wie er es in der darstellenden gewesen ist. So
aber ist er dem Los vieler Kunstlehrer ver-
fallen, die durch ihre Lehrtätigkeit von der
natürlichen Propaganda des freien Architekten
abgehalten und der Praxis entfremdet zu ver-
trocknen Gefahr laufen: der Fluch falscher
Kunsterziehungsmethoden, denen Hekatomben
von Talent und Energie vom Staat geopfert
werden.

Doch lag das Zurücktreten Pfanns von der
architektonischen Praxis in den letzten 20 Jah-
ren seines Lebens nicht nur in den äußeren
Umständen, sondern auch in seiner besonderen
Veranlagung. Seine Berufung zur Lehre der
künstlerischen Darstellung war ebenso bestim-

mend für die Weiterentwicklung, wie umge-
kehrt die Berufung auf die Veranlagung zurück-
zuführen ist, eine zweispaltige Veranlagung,
die bis in die Schülerzeit zurück deutlich wahr-
genommen werden konnte.

Der Lebenslauf Paul Pfanns ist kurz und
einfach zu schildern. Als spätgeborener Sohn
eines Volksschullehrers am 18. April 1860 in
Nürnberg geboren, genoß er auf dem dorti-
gen Gymnasium eine vortreffliche Vorbildung.
Zeichnerische Talente, die zum Künstler hin-
deuteten, wurden gepflegt, aber der Sicherheit
wegen, wie so oft, nicht der Maler — sondern
der Architektenberuf gewählt. Wäre der Vater
Pfann jünger und mutiger gewesen, so hätten
wir in unserem Freund vielleicht so etwas wie
einen Nürnberger Spitzweg werden sehen. So
aber absolvierte er korrekt und ohne viel Be-
geisterung die Technische Hochschule (1883)
und betätigte sich dann für den damals
noch jugendfrischen Akademischen Architekten-
Verein mit jenen famosen, späterhin nie wieder
erreichten Autographien des Augsburger Al-
bums, das leider fast verschollen ist. Nach
kurzer Praxis in einem Leipziger Privatbureau
(Roßbach) folgte Pfann dem Unterfertigten

Kunst und Handwerk. Jahrg. 1920. 2. Vierteljahrsheft

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