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Minst, Karl Josef [Übers.]
Lorscher Codex: deutsch ; Urkundenbuch der ehemaligen Fürstabtei Lorsch (Band 1): Chronicon. Urkunden Nrn. 1 - 166, mit Vermerken, welche die Geschichte des Klosters von 764 - 1175 und mit Nachträgen bis 1181 berichten — Lorsch, 1966

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https://doi.org/10.11588/diglit.20231#0151
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VERMERK 87

Im Jahre . . . (998/9) nach des Herrn Fleischwerdung legte Abt Salemann, ein außer-
ordentlich verdienstvoller Mann, der nur danach trachtete, Gott zu gefallen, die Verwal-
tung des Klosters nieder, in welcher und für welche er beständig angespannt war, „be-
kümmert um gar viele Dinge" (Luk. 10, 41). Nachdem er die Ruhe im Herrn liebgewon-
nen, hatte er „den besten Teil erwählt" (Luk. 10, 42). Nicht lange danach pilgerte er, vom
Fleische erlöst, zum Herrn (gest. 26. Febr. unbekannten Jahres). Auf ihn folgte "Werinher
(Werner I.), der den Beinamen Pius (der Fromme) trug, und aus unserer eigenen Gemein-
schaft erwählt wurde. Würdig aller Lobpreisungen wegen seiner Verdienste, an Fröm-
migkeit keinem nachstehend, beschloß er schon nach Verlauf zweier Jahre sein Leben
(29. oder 31. Oktober 1001). Dieser erlangte von dem vorgenannten Kaiser Otto III. die
kaiserliche Verleihung des Marktrechtes in Winenheim (Weinheim a. d. Bergstr.) und des
Münzrechtes in Bruomat (Brumat im Elsaß).

URKUNDE 87 (Reg. 3595)

Otto III. verleiht das Marktrecht für Weinheim

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreieinigkeit. Otto, durch des Himmels
gnädige Güte Kaiser der Römer und allezeit Mehrer des Reiches. Kund und zu wissen sei
allen unseren Getreuen, den gegenwärtigen und den zukünftigen, daß wir auf die Für-
bitte des ehrwürdigen Abtes Werinher dem Kloster, in dem er selbst auf würdige Weise
Vorsteher ist, unsere schenkende kaiserliche Macht zugewendet haben. Wir gewähren,
übertragen und bewilligen ihm in der Ortschaft Weinheim, die dem Kloster gehört, das
öffentliche Marktrecht. Alle den Markt besuchenden Kaufleute, alle aus- und einziehen-
den Marktfahrer, sollen Frieden haben. Der Wochenmarkt selbst soll stets am Donnerstag
stattfinden. Kraft dieser kaiserlichen Urkunde setzen wir Zwing und Bann fest, wie bei
jedem anderen öffentlichen Markt in den übrigen Städten und Dörfern üblich. Sollte je-
mand das Marktrecht zu brechen oder auch nur zu verletzen versuchen, so wisse er, daß
er mit der Reichsacht belegt werde. Um die Glaubwürdigkeit dieses Schriftstückes allge-
mein zu erhöhen, haben wir es eigenhändig bekräftigt und siegeln lassen. Monogramm
Ottos, des Herrschers, des unbesiegten Kaisers. Ich, Herbert, habe im Auftrage des Erz-
bischofs Willigis gegengezeichnet. Gegeben am 11. Juni im Jahre 1000 nach der Mensch-
werdung des Herrn, in der 13. Indiktion, im 16. Jahre der Regierung Ottos III., im
5. seines Kaisertums. Geschehen zu Duellum (Burg Hohentwiel im Hegau).

URKUNDE 88 (Reg. 3596)

Otto III. verleiht das Münzrecht für Brumat

Im Namen der heiligen und unteilbaren Dreifaltigkeit. Otto, durch des Himmels
gütige Gnade Kaiser der Römer und allezeit Mehrer des Reiches. Kund und zu wissen
sei allen unseren Getreuen, den gegenwärtigen und zukünftigen, daß wir über Fürbitte
des Herrn Werinher (Werner I. Pius), des ehrwürdigen Abtes, dem Kloster Lorsch, dessen
Vorsteher er ist, mit dieser Kaiserurkunde eine Schenkung machen. Wir gewähren und
bewilligen ihm in der Ortschaft Bruomagad (Brumat im Elsaß), in der Grafschaft des Gau-
grafen Eberhard, im Gau Helisaze (Elsaß) das öffentliche Münzrecht mit allem Nutzen.
Es sollen dort gangbare Denare geschlagen werden und die Münzgerechtigkeit soll zum
 
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