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Werner, Wilfried
Cimelia Heidelbergensia: 30 illuminierte Handschriften der Universitätsbibliothek Heidelberg — Wiesbaden, 1975

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https://doi.org/10.11588/diglit.2051#0056
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(Cod. Pal. Germ. 112) Rolandslied

ROLANDS LI ED des Pfaffen Konrad 16

Cod. Pal. Germ. 112, Pergament, 123 Bl., ca. 21 X 15 cm, Regensburg,

Ende des 12. Jahrhunderts Tafel Seme 58

Das deutsche Rolandslied ist die älteste Nachdichtung einer französischen »Chanson de Geste«. Es schildert
den Kampf Karls des Großen gegen die Araber in Spanien. Im Mittelpunkt steht der durch Verrat herbei-
geführte Untergang der Nachhut des fränkischen Heeres, die von Roland, dem Neffen des Kaisers, befehligt
wird. Bevor Roland als letzter einer heldenmütigen Schar im Kampf gegen eine zahllose Übermacht stirbt, bläst
er sein Hörn Olivant und ruft damit den Kaiser und sein Heer als Rächer herbei.

Während die »Chanson de Roland« alle Merkmale französisch-nationaler heroischer Dichtung zeigt und die
Liebe zur »douce France« ein wesentliches Motiv für das Handeln ihrer Helden ist, sieht der Verfasser des
deutschen Rolandsliedes den Krieg gegen die Sarazenen stärker als einen Kampf der Gottesstreiter gegen
Satan, dem die Heiden dienen. Die Christen sterben als Märtyrer für die Errichtung des Gottesreiches auf
Erden. Der Sinn ihres Todes erfüllt sich in der Bekehrung der Heiden nach Karls Sieg.

Die Dichtung ist wahrscheinlich um 1170 im Umkreis Heinrichs des Löwen entstanden. Der »Pfaffe« Konrad
war zweifellos ein Mann von höherer theologischer Bildung, ohne daß er deshalb ein geistliches Amt bekleidet
zu haben braucht. Vielleicht übte er eine Tätigkeit an der herzoglichen Kanzlei in Regensburg aus.

Sein Werk ist bis auf wenige Verse vollständig nur in der Heidelberger Handschrift bewahrt, die noch dem
12. Jahrhundert angehört. Daneben ist eine Reihe von kleineren und größeren Bruchstücken bekannt, von
denen die umfangreichen Fragmente der Straßburger Handschrift 1870 beim Brand der Bibliothek verloren-
gingen. Abgesehen von der außerordentlichen Bedeutung, die dem Heidelberger Manuskript auf Grund seiner
fast unversehrten Überlieferung und seines Bilderschmucks zukommt, kann es den Anspruch erheben, den Text
des Originals wohl am getreuesten wiederzugeben, trotz der nicht zu übersehenden mitteldeutschen Sprach-
elemente, die sporadisch bald stärker, bald schwächer den bairischen Text durchfärben.

Die 39 Miniaturen in unschraffierter Federzeichnung gehören dem Regensburger Kunstkreis an. Die Hand-
schrift ist in einen Ottheinrich-Einband von 1558 gebunden.

Unsere Abbildung (fol. 114v. Tafel S. 58) zeigt den Augenblick, in dem der Kampf zwischen Christen und
Heiden in Spanien endgültig entschieden ist. Mit Gottes Beistand hat Kaiser Karl den mächtigen Perserkönig
Paligan besiegt. Dessen gekröntes Haupt liegt abgeschlagen am Boden. Das Schwert ist ihm entfallen. Beide
Hände scheinen den Schild zu umklammern. Kaiser Karl - auch er trägt einen Kronreif über dem Helm - ist
im Vorwärtsschreiten dargestellt. Einer seiner Gefolgsleute wehrt mit der Lanze einen Sarazenen ab, der den
Kaiser bedroht.

Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. 1. Faksimile von Cod. Pal. Germ. 112 der Universitätsbibliothek Heidelberg. 2.
Einführung von W. Wernkr und H. Zirnbauer. Wiesbaden 1970. (Facsimilia Heidelbergensia. 1 ): Dort die wichtigste
Literatur genannt. - Ausgaben: Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. Hrsg. von C. Wf.si.e. 2. Aufl. besorgt von
P. Wapnewski. Tübingen 1967 (Altdeutsehe Textbibliothek. 69). - Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. Mittelhoch-
deutscher Text und Übersetzung. Hrsg., übers, und mit einem Nachw. versehen von D. Kartschoke. Frankfurt 1970. —
Das Rolandslied des Pfaffen Konrad. Zweibändige Ausgabe von D. Kartschoke. Bd. 1. Mittelhochdeutscher Text und
Übertragung. München 1971. - H. Richter. Kommentar zum Rolandslied des Pfaffen Konrad. T. 1. Bern & Frankfurt 1972.
- M. Lengelsfn, Bild und Wort. Die Federzeichnungen und ihr Verhältnis zum Text in der Handschrift P des deutschen
Rolandsliedes. Diss. Dortmund 1972. - P. Kern, Bildprogramm und Text. Zur Illustration des Rolandsliedes in der Heidel-
berger Handschrift. - In: Zeitschr.f. dt. Altertum u. dt. Literatur 101 ( 1972) S. 244-270.-

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