Kautzsch, Rudolf
Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau — Stuttgart, 1895

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10 Diebolt Lauber und seine Werkstatt in Hagenau

Andererseits bin auch ich der Ansicht, dass, um eine solche Fülle
von Büchern herzustellen, die Kräfte eines einzigen kaum ausgereicht
haben dürften. Darnach dünkt mich das Wahrscheinlichste, dass
Diebolt Lauber als einzelner Schreiber begann. Bald wird er aber
einen oder mehrere Arbeiter in Dienst genommen haben. Dies müssen
wir schon für die Abfassungszeit jenes Briefes voraussetzen. Selbst
wenn Emmerich und Eberlin nicht Leute Laubers sind, ist doch die
Thatsache, dass der Psalter, dem der Brief beifolgte, nur zur Hälfte
von Laubers Hand geschrieben ist. kaum anders zu erklären als durch
die Annahme eines Gehilfen in Laubers Schreibstube. Und auch der
Umstand, dass er sich für einen andern Fall die Kosten für Einband
und Malerei sichert, braucht keineswegs so gedeutet zu werden, dass
er sein Schreibwerk ausser dem Hause zum fertigen Buche machen
Hess, Wir werden einer Hs. begegnen, in der er wahrscheinlich nur
die Rubrication ausführte. Text und Bilder von anderer Hand herstellen
Hess. All dies führt mit ziemlicher Sicherheit darauf, ihn als Vorsteher
einer eigentlichen Werkstatt zu betrachten. Auch Wattenbach gelangt
schliesslich zu dem Ergebniss*: „Sehr wahrscheinlich ist, dass Diebolt
Lauber mehrere Personen beschäftigte."

Zweites Kapitel.

Diebolt Laubers Werkstatt.

Wir haben oben die Erörterung einer Gruppe elsässischer Bilder-
handschriften an dem Punkte abgebrochen, da wir sagen konnten, diese
Handschriften müssen Erzeugnisse einer Werkstatt sein. Irgendwo im
Elsass muss diese Werkstatt thätig gewesen sein. Nun hat Diebolt
Lauber in Hagenau höchst wahrscheinlich eine solche Werkstatt ge-
leitet. Wenn wir jetzt Angesichts seiner umfangreichen Bücheranzeigen
auf die Vermuthung kommen, unsere Werkstatt könne die jenes Mannes
sein, so gilt es, sorgfältig seine Erzeugnisse mit unseren elsässischen
Handschriften zu vergleichen.

Zunächst fällt uns bei einem Blick auf Laubers Bücheranzeigen
auf (s. die Anlage), dass fast alle Werke unserer Gruppe inhaltlich
sich mit denen Laubers decken. Sodann, dass die meisten Bücher
in Laubers Verlag ausdrücklich als „hübsch gemolt" bezeichnet werden.
Weiter erinnern wir uns, dass zum Heften und Einbinden unserer Hss.
eine auffallende Anzahl elsässischer Urkunden verwandt wurde. Das
hätte nach einer Identifizierung beider Werkstätten nichts Auffallendes
mehr: der Schreiber an der Landvogtei war nie um Maculatur verlegen.

Aber das alles ist noch kein Beweis. Diesen zu erbringen,
müssen wir uns an die erhaltenen Hss. mit Laubers eigenhändiger Ein-
tragung halten. Stimmen diese in ihrer Anlage, im Schrift Charakter,
im Stil der Bilder mit denen unserer Gruppe völlig überein, so wird
die Identität beider Schreibstuben wahrscheinlich. Tritt vollends in
einer Hs. mit unbezweifelbar eigenhändiger Eintragung Laubers ein
Zeichner auf, der im Verband unserer Gruppe steht, so ist sie gewiss.
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