Allgemeine theologische Bibliothek — 9.1778 [VD18 90309928]

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stark unter den Theologen der protestantischen Kir-
che herrscht, har dem V. Anlaß gegeben, gewisse
Gründe festzusttzen, worüber alle, dre der Vernunft
Gehör geben wollen, sich leicht veremiaen können.
Er bemerket sehr wohl, daß es bey Untersuchung
der Wahrheit höchst nölhig sey, immer weiter zu
gehen und daß durch nichts unsere zunehmende
Erkenntlich mehr gehindert werde, als wenn man
sich einbilder, die Wahrheit bereits völlig gefunden
zu haben, und wenn man unserm Wissen eine
gewisse Gränze sehen will. Gott hat einem jeden
Menschen Verstandeskraft zu denken und Herzens-
gefühl zu folgen gegeben. Ein jeder kann einfehen,
tvas für Folgen feilte Handlungen haben und kann
nach und nach seine Fehler verbessern. Will er
in der Erkennrniß der Wahrheit und in der Uebung
des Guten es zu einer grösser» Vollkommenheit
bringen, so muß er vor allen Dingen die Heiden-
schäften zu beherrschen suchen, die das ruhige stille
Wandeln zum Tempel der Weisheit unterbrechen.
Hier zeiget sich aber ein großer Unterschied unter
den Menschen, in Ansehung der Gemülhsfähigkei-
ten uild der aussern Umstände, welche machen, daß
einige eher zu dem Tempel der Weisheit gelangen,
als andere. Es giebt Männer von zwanzig Jah-
ren und Kinder von siebenzig, am Verstände und
X? Herzen.
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