Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

Page: 57
DOI article: DOI Page: Citation link: 
https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/am1919/0063
License: Free access  - all rights reserved Use / Order
0.5
1 cm
facsimile
Archaische griechische Vasenmaierei und Piastik

57

Vasen finden wir früh solche Kompositionen, bei denen eine Mitteifigur
von flankierenden Tieren eingerahmt wird ^).
Neben der Art des Amphiaraoskraters und des Korfugiebels, die
alle Formen ins Breite, Fleischige wendet, sehen wir schon früher in
der korinthischen Kunst eine andere Richtung auftauchen, die nach
feinen, eleganteren Formen strebt. Der Krater mit den Darstellungen
des Herakles und Eurytion im Louvre bietet uns ein bezeichnendes
Beispiel für diese Weise. Die Gestalten werden magerer und dürrer, die
Köpfe schlanker, die Linie des Profils weicher und bewegter. Es bahnt
sich hier die gleiche Bewegung an, die wir später in der ionischen und
attischen Kunst verfolgen werden und deren weiteren Verlauf wir in der
korinthischen Vasenmalerei nicht mehr übersehen, da hier die Ent-
wicklung zu früh abbricht. Nur in der Plastik zeugt uns der Apoll von
Tenea (Deonna, Les Apollons archai'ques Nr. 80) dafür, daß die Ent-
wicklung der Kunst sich in Korinth in der gleichen Bahn bewegte wie
im übrigen Griechenland.
Ein ganz anderer Figurenstil als auf den eben behandelten Vasen
tritt uns in den Bildern der entwickelten protokorinthischen Gefäße
entgegen. An Schärfe und Frische der Naturbeobachtung können sich
die korinthischen Darstellungen nicht mit den protokorinthischen ver-
gleichen. Das tritt besonders bei den Tieren zutage. Während auf den
korinthischen Vasen das Leben und die Eigenart der Tiere dem deko-
rativen Effekt geopfert ist, ist die Wiedergabe dieser Dinge auf proto-
korinthischen von frappierender Schärfe. Der Löwe zum Beispiel ist
auf korinthischen Vasen ein heraldisch stilisiertes Gebilde (z. B. Morin-
1) Z. B. Bullettino Napoletano N. S. VHI Tat. 5 (Löwen); Musee Biacas
Tat. 25 (hegende Sphingen).
2) Mon. d. Inst. VI/VH 33. Über das zeitliche Verhäitnis zum Amphiaraos-
krater Buschor, Griech. Vasenmaierei " 92. Über ionischen Einfluß beim Apoll
von Tenea Perrot-Chipiez Vlll 398; Mendel, BCH. XX! 1907, 195; D0onna,
Apollons archaiques 189, 323; in der korinthischen Vasenmalerei Böhlau, Aus
ionischen und italischen Nekropolen 136; Morin-Jean, Le dessin des animaux
en Grece.
Ü Washburn, Arch. Jahrb. XX! 1906, 116; Hoppin bei Waldstein, The
Argive Heraeum 1! 119; Pottier, Melanges Perrot 269; Cecil Smith, JHS. XI
1890, 167; Antike Denkmäler !! Tat. 44, 45; Cultrera, Ausonia V!1I 1915, 104;
Lorimer, JHS. XXX!! 1912, 326; Johansen, Sikyoniske Vaser, Kopenhagen
1918; Schweitzer, Beri. phii. Woch. XXXIX 1919, 177.
loading ...