Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 44.1919

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Gottfried v. Lücken

Responsion zu einander stehen, lassen sie die Einheit des ganzen Bildes
auf den ersten Blick zutage treten. Es entsteht eine wohlabgewogene
Komposition, die in schroffem Gegensatz steht zur Regellosigkeit der
Bildfriese auf der Frangoisvase. Dagegen finden wir die gleiche An-
ordnung auf einem klazomenischen Sarkophag in Berlin (Ant. Denkm.
1 44). Hier ist ebenso wie auf der Kolchosvase in die Mitte eine Kampf-
szene, auf jede Seite ein nach außen eilendes Viergespann und ein nach
innen gerichteter Mann gesetzt.
3. D e r f r ti h e s t r e n g r o t f i g u r i g e Stil.
Schon in der ersten Hälfte des VI. Jahrhunderts wurde in Attika
der Poros unter östlichem Einfluß durch den Marmor verdrängt. Dieser
ist für den Farbenauftrag nicht so günstig wie der bis dahin übliche
poröse Kalkstein, läßt aber die Formen, die jetzt mit diskreteren
Farben bedeckt werden, mit größerer Prägnanz heraustreten. Auch in
der Vasenmalerei können wir einen ähnlichen Wandel verfolgen. Die
attische Vasenmalerei liebt wie die meisten anderen Werkstätten in der
Zeit nach dem geometrischen Stil die bunten Farbenwirkungen gleich
der zeitgenössische!! Plastik. Später dagegen wird der Farbenauftrag
auch in der Malerei immer seltener, und wo er vorkommt, hält er sich in
diskreten Tönen, während die Innenzeichnung immer reicher wird und
die einzelnen Formen dadurch klar heraustreten i). Aber solange man
an der schwarzen Farbe der Gestalten festhielt, wollten diese doch kein
rechtes plastisches Leben bekommen. Sie wirkten zu Silhouettenhaft,
und die hell eingetragene Innenzeichnung war so ungeeignet wie möglich,
die einzelnen Glieder gegeneinander abzusetzen. Erst als man unter
ionischem Einfluß wahrscheinlich in Nachahmung der Marmormalerei -)
begann, helle Figuren auf dunklem Grund auszuführen, bekam die
Malerei plastisches Leben. Zu gleicher Zeit wird auch in der Plastik
das Gefühl für die Modellierung der Formen feiner und feiner, ln
beiden Künsten geht die Absicht immer mehr auf körperliche Gestal-
tung aller Formen.

T Winter bei Gercke-Norden, Einführung in die kiass. Altertumswissen-
schaft M 145.
η Zahn, AM. XX1H 1898, 73; Loeschcke. AM. IV 1879. 36.
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