Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Georg Karo

lange sie gebraucht hat, um nach Etrurien zu gelangen, wie lange sie
dort als kostbares Kunstwerk bestaunt wurde, ehe sie im Grabe der
vornehmen Frau verschwand, das sie uns aufbewahrt hat, entzieht sich
jeder genauen Schätzung. Indessen lehrt das, was vom Inhalt des Grabes
den Räubern entgangen ist (Abb. 1), mit Bestimmtheit, daß wir damit
nicht allzu tief ins VII. Jahrhundert herabgehen dürfen. Daß kein Mann
hier bestattet war, beweist das Fehlen der Waffen und die Art der Schmuck-
sachen. Diese umfassen eine Menge runder und rechteckiger Goldplätt-
chen, die auf dem Gewande der Toten aufgenäht waren, wie die zahl-
reichen Fadenlöcher zeigen. Andere runde Goldplättchen, Glieder einer
Halskette, sind mit Bronzeblech gefüttert, ebenso ein großes rechteckiges
‘Pectoral’; btide Arten von Zierrat erscheinen in Cornetoschon in Gräbern
der drei älteren Formen (Pozzetti, Fosse, Corridoi), welche den Kammer-
gräbern vorangehen x). Die flach getriebenen Muster dieser Goldbleche
gehören, abgesehen von Kreis- und Zickzackreihen, sämtlich dem orien-
talisierenden Typenvorrat an: Flechtbänder, Rosetten, ‘phoenikische’
Palmetten, rückwärts blickende Löwen, einmal auch eine langgewandete,
zwei Sphingen haltende Flügelgestalt, eine der ältesten italischen Dar-
stellungen der großen orientalischen Göttermutter; man vergleiche den
etwas jüngeren Schieber von Vetulonia, Studi e Materiali II 128, und
die unten S. 125 angeführten Beispiele.

Zum Schmuck der Toten selbst gehören ferner folgende Bronzen:
eine glatte Haarnadel, viele Bruchstücke von Kettchen und mehrere
Fibeln, darunter eine einfache Bogenfibel und sechs Exemplare in Gestalt
von Pferdchen; auf zweien trägt der Bug des Pferdes einen menschlichen
Oberkörper mit erhobenen Armen (wie Montelius I, VII, 78), auf dreien
ein Äffchen (unsere Abb. 1,6). Um den Hals muß die Tote außer jenen
goldenen Zierraten eine Kette von Götterfigürchen aus grüner ägyptischer
Fayence getragen haben, von denen 91 noch erhalten sind, während zwei
Besstatuetten aus weißer Fayence mit blaugrünen Einzelheiten, nach
etruskischer Art als Anhänger in Silberblech gefaßt, wohl als Ohrringe
gelten dürfen. Gewiß haben die antiken Grabräuber noch viele Kostbar-
keiten aus der Gruft entführt. Uns sind von Metall nur noch Stücke einer

G Kettenglieder aus älteren Gräbern von Corneto zählt Helbig auf, N. d.
Sc. 1896, 16, 1, Pectorale ebenda. Vgl. Montelius II 276, 16. 281, 25. 285, 17.
288, 13. 294, 1; Pernier, N. d. Sc. 1907, 71. 332; unten S. 124.
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