Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Georg Karo

blieb, während ihr seit 1884 der begeisterte Lokalforscher Isidoro
Falchi seine ganze Kraft geweiht hat. An den Ansgrabungen haben
vielfach Milani und später auch Pernier teilgenommen, sodaß ihre wissen-
schaftliche Genauigkeit zum großen Teile verbürgt ist. So besitzen wir
aus Vetulonia ein Material, das für die archaische Zeit an Reichtum dem
südetruskischen fast ebenbürtig ist, ihm aber weit überlegen durch die
große Zahl geschlossener und sorgfältig ausgegrabener Grabfunde*).
Vetulonia bildet zugleich für uns vorläufig das Paradigma für den ge-
samten nördlichen und mittleren Teil des etruskischen Küstenlandes.
Denn auf diesem ganzen Gebiete, das durch seinen Erzreichtum einst
zu den blühendsten Teilen Italiens zählte, ist die Verödung sehr früh
eingetreten und die Feinde der Menschen, Fieber, Mißwirtschaft und
Banditen, haben die antiken Reste vor modernen Plünderern be-
schützt. Die unerwarteten Schätze, welche der Fiirst Corsini seit einigen
Jahren auf seinem Gute Marsiliana bei Grosseto aus archaischen Gräbern
gehoben hat, an einer Stätte, wo man früher gar keine etruskische Nieder-
lassung vermutete 2), die vereinzelten archaischen Grabanlagen, welche
gelegentlich bei Populonia und Cosa entdeckt worden sind 3), alles das
lehrt uns, wie viel von dieser kaum bekannten Gegend zu erhoffen ist.
Soweit wir jetzt sagen können, schließen sich die Funde des Gebietes
von Vetulonia bis Populonia zu einem einheitlichen Komplex zusannnen;
dieser scheidet sich in den Grabformen und auch in einigen der Grab-

') Vgl. die Bibliographie bei Montelius, Civil. II Sp. 813—916 (zu Taf. 175
bis 203), ferner Milani, II. R. Museo archeol. di Firenze (1912) I 211—222.
II Taf. 57—72; ders., Italici ed Etruschi, Atti d. Congr. p. Progresso d. Scienze,
Firenze 1909; N. d. Sc. 1913, 425.

2) Bisher ist von diesen Funden leider nur wenig publiziert. Vgl. die
kurzen Bemerkungen von Milani, Mus. top. d. Etr. 160 f.; II R. Museo di
Firenze I 254. II Taf. 101; eine wundervolle goldene Prunkfibel hat Milani
in den Rendiconti dei Lincei 1912, 315 veröffentlicht. Neue ganz besonders
reiche und interessante Funde sind während des Kneges auf diesem Gebiete
gemacht worden, wie ich einem Brief des leider seither verstorbenen Fiirsten
Corsini vom Jahre 1917 entnehme, der mit wahrhaft vorbildlicher Liberalität
alle diese Schätze dem Museum von Florenz geschenkt hat. Sie sind jetzt
dort in einem eigenen Zimmer vereinigt.

3) Populonia: N. d. Sc. 1914, 446. Ein kleiner, ein großer Tumulus mit
Grabkammer, ähnlich denen von Vetulonia. Cosa: ein längst bekanntes, leider
nie publiziertes Grab mit archaischen Malereien, Bull. d. Inst. 1870, 36; Petersen,
RM. XVII 1902, 152; Rumpf, Wandmalereien in Veii 61.
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