Deutsches Archäologisches Institut / Abteilung Athen [Editor]
Mitteilungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Athenische Abteilung — 45.1920

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Orient und Hellas in archaischer Zeit

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Kolonien der pontischen Küste möchte ich auf die Bedeutung der alten
Handelsstraße hinweisen, die von Vorderasien über Lydien zur ionischen
Küste führte, sowie auf die Verwandtschaft zwischen Lydern und Etrus-
kern, die immer klarer hervortritt. Doch muß eine eingehendere Er-
örterung dieser Probleme dem zweiten Teile dieser Arbeit vorbehalten
bleiben. Nur was uns Lydien chronologisch lehren kann, gehört hierher.

Da finden wir nun in Sardes eine willkommene Bestätigung der
bisher gewonnenen Resultate. Den leider längst ausgeraubten Tumulus
des Alyattes auf dem Gräberfelde der tausend Hügel (Bintepe) hat der
preußische Konsul Spiegelthal im Jahre 1853 erforscht und mit einer
fiir jene Zeit und für einen Dilettanten doppelt ruhmvollen Sorgfalt
auch die unscheinbarsten Scherben gesammelt (v. Olfers-Spiegelthal,
Abhandl. d. Preuß. Akad. 1858, 539 ff.). Da finden sich neben ge-
streiften Kugelgefäßen (Taf. V 7—9), feine Scherben von Schalen und
Skyphoi protokorinthischer und ionischer Form (Taf. V 1—6), teils
mit Firnisstreifen und Punktrosetten auf Tongrund, teils mit roten und
weißen Linien auf Firnisgrund verziert. Nun ergeben die amerika-
nischen Ausgrabungen, deren reiches Material ich im Sommer 1918
studieren konnte*), daß gerade die ältesten Gräber der ungeheuren
Nekropolen bei der Stadt Sardes solche Keramik enthielten (Butler,
Am. Journ. Arch. XV 1911, 454. XVII 1913, 477. XVIII 1914, 425 f.).
Die besonders charakteristische geflammte lydische Ware 2) ist dagegen
offenbar etwas jünger; dieses Ergebnis der amerikanischen Grabungen
(A. J. A. XVI 1912, 478) wird sowohl durch die Form der Lekythos wie
durch die Fundumstände des schönen caeretaner Gefäßes (letzte Anm.)
in willkommener Weise bestätigt. Demnach würden wir die Vasen aus
dem Alyattesgrab der ersten Hälfte des VI. Jahrhunderts zuweisen, was
zur traditionellen Datierung des Königs (605—560) gut stimmt.

1) Auf einer mit H. Knakfuß und O. Walter unternommenen Expedition
zum Schutze des von Räubern erbrochenen Ausgrabungshauses und seines
Inhalts. Zum Glück fehlte von den Altertümern nichts.

2) A. J. A. XVIII 1914, 435, Abb.8. Proben lydischer Reramik aus Sardes
auch bei G. M. Richter, Handbook of the Class. Coll. Metropol. Mus. New York
1917, S. 51 ff. Sie ist bisher so gut wie unbekannt, in europäischen Museen ver-
treten durch einige Vasen aus Sardes im Britischen Museum und mehrere Kugel-
gefäße, davon das jüngste besonders groß und schön, fein profiliert, mit weißen
Streifen, aus einem caeretaner Kammergrabe der 2. Hälfte des VI. Jh. (Viila
Papa Giulio). Vgl. Rumpf, unten S. 164.

Athen. Mitteilungen XXXXV 1920

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